"Für die SPÖ bin ich jetzt ein Volksfeind"

Interview10. Februar 2013, 17:57
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Der Spitzenkandidat des Team Stronach, Gerhard Köfer, will in die Kärntner Regierung. Seinen Wechsel zu Frank Stronach sieht er nicht als Rache an der SPÖ

STANDARD: Sie präsentieren sich auf Facebook wie George Clooney für Nespresso: "Köfer, what else?" Halten Sie sich auch für so unwiderstehlich?

Köfer: George Clooney ist ein Schauspieler, der mich schon ein halbes Leben begleitet. Wir beide sind 1961 geboren. Ich halte mich gar nicht für unwiderstehlich - ich sehe mich selber sehr kritisch. Das Foto mit der Kaffeetasse ist zufällig bei einem Foto-shooting entstanden und ist in Windeseile weiterkommuniziert worden. Wir haben dann das Foto als Postkarte rund 15.000-mal in Kärnten verteilt.

STANDARD: Warum soll man in Kärnten Team Stronach wählen? Es gibt inhaltliche Berührungspunkte mit FPÖ, BZÖ und ÖVP.

Köfer: Wir sind vollkommen frei von Korruption. Wir arbeiten im Gegensatz zu den anderen Parteien mit Experten, und wir haben Frank Stronach, der international bewiesen hat, wie Wirtschaft erfolgreich funktioniert. Bei uns gibt es keinen Klubzwang und keine Freunderlwirtschaft, daher müssen wir auch keine Günstlinge versorgen.

STANDARD: FPK und FPÖ umwerben das Team Stronach. Martin Graf träumt von einer Koalition und einer Kärntner "Alleinregierung". Wäre das für Sie vorstellbar?

Köfer: Die FPK soll solche taktischen Spielchen unterlassen. Da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens. Ich sage das zum letzten Mal klar und unmissverständlich: Es wird keine Koalition mit der FPK geben. Auch nicht mit einer anderen Partei. Wir sind nicht Steigbügelhalter für irgendjemanden. Wir werden uns klar abgrenzen, aber wir werden die besten Ideen für Kärnten unterstützen. Vorausgesetzt, sie sind wirtschaftlich vertretbar und nachhaltig.

STANDARD: Wen würden Sie zum Landeshauptmann wählen, Gerhard Dörfler von der FPK oder Peter Kaiser von der SPÖ?

Köfer: Das wäre die Wahl zwischen Not und Elend.

STANDARD: Frank Stronach hat deutliche Sympathien für Landeshauptmann Gerhard Dörfler erkennen lassen? Wessen Wort gilt?

Köfer: Dörfler hat Frank Stronach bei einem Besuch der Klagenfurter Messe einfach umarmt. Frank Stronach ist ein höflicher Mann, er kennt keine politischen Animositäten. Er überlässt die Frage einer Koalition in Kärnten zu 100 Prozent mir. Er vertraut uns und weiß, dass wir sehr sorgsam mit diesem Vertrauen umgehen.

STANDARD: Die Leute laufen in Scharen vom BZÖ zu Stronach. Warum?

Köfer: Das BZÖ ist führungslos und die Unzufriedenheit mit Josef Bucher enorm. Die Funktionäre sehen keine Perspektive. Bucher hat Haiders Erbe vertan.

STANDARD: Sie sind im Zorn von der SPÖ geschieden. War der Wechsel zu Stronach jetzt die Rache?

Köfer: Man hat mich damals bei der Parteichefwahl ausgetrickst. Trotzdem haben 60 Prozent der Delegierten für mich gestimmt. Okay, war so. Ich habe persönlich noch keine einzige Wahl, bei der ich angetreten bin, verloren. Wem ist es bisher gelungen, viermal in verschiedene Gremien direkt gewählt zu werden? Die jetzige Situation ist für viele SPÖ-Funktionäre nicht befriedigend. Ich höre sehr oft aus dem Kreis der SPÖ-Riege, Gerhard, wenn du jetzt an der Spitze wärst, hätten wir sicher 40 Prozent. Aber Rache? Nein, eher Mitleid.

STANDARD: Wozu brauchen Sie zwei Politikergehälter, als Bürgermeister und als Nationalrat?

Köfer: Diese Frage können Sie jedem der 183 Abgeordneten im Nationalrat stellen. Mein Brotberuf ist der des Bürgermeisters von Spittal/Drau. In Kärnten hat die SPÖ irgendwann ein Statut erfunden - ich war damals mit Gerhard Mock im Kärntner Landtag -, und plötzlich gab es einen Aufschrei der Sozialistischen Jugend, "Schweinerei, die haben zwei Gehälter". Gleich geht's auch meinem Freund im Nationalrat Peter Stauber von der SPÖ. Er ist auch Bürgermeister von Sankt Andrä im Lavanttal. Übrigens war meine Kandidatur in den Nationalrat Wunsch der SPÖ. Seit meinem Wechsel zu Stronach bin ich für sie Volksfeind Nummer eins. Das zeugt nicht von besonderer Größe.

STANDARD: Man wirft Ihnen vor, unrechtmäßig Kilometergeld kassiert zu haben, weil Sie mit dem Bürgermeisterauto ins Parlament gefahren sind.

Köfer: Das war zu keinem Zeitpunkt ein Skandal. Dass alles völlig korrekt war, wurde von der Stadtgemeinde und von der Parlamentsdirektion bestätigt. Im Gegenteil, die Stadtgemeinde Spittal hat davon profitiert, zumal das Geld ja zu 100 Prozent an die Gemeindekasse geflossen ist. Eine ziemlich schwache Intrige meiner ehemaligen Freunde.

STANDARD: Der Rechnungshof hat heftige Kritik an Bau und Kostenexplosion des Spittaler Strandbades geübt, und es soll die Staatsanwaltschaft gegen Sie ermitteln.

Köfer: Es hat im Bereich Controlling und Bauabwicklung sicher Fehler gegeben. Es war das erste Mal, dass wir ein Projekt mit einem privaten Investor umgesetzt haben. Der Stadt- und Gemeinderat wollte vorerst einen Puch 500 anschaffen, dann haben wir uns einstimmig auf einen Audi 3 mit Klimaanlage geeinigt. Dass der mehr kostet, war allen klar. Es ist trotzdem ein faszinierendes Projekt des international anerkannten Architekten Hans Hollein. Letztendlich haben aber der Rechnungshof und die Landeskontrolle klar festgestellt, dass kein einziger Euro zweckentfremdet wurde. Es hat mich ein ehemaliger Mitarbeiter der SPÖ bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Es hat aber diesbezüglich bis heute kein einziges Gespräch mit dem Staatsanwalt gegeben. Warum auch? Alle Beschlüsse waren zu jeder Zeit einstimmig.

STANDARD: Sie werben mit dem Wahlspruch "Die Unbestechlichen". Wie steht es um Ihre Freundschaft zu den Brüdern Hanno und Erwin Soravia? Die haben ein stadteigenes Grundstück auf 99 Jahre um einen Euro gepachtet, also praktisch umsonst.

Köfer: Diese Diskussion wird ausgerechnet von jenen geführt, die bei der Abstimmung für den Euro und 99 Jahre die Hand gehoben haben. Auch hier gibt es einstimmige Beschlüsse aller Parteien. Für diesen Euro verpflichteten sich die Investoren, ungefähr 1,2 Millionen Euro ohne öffentliche Förderung zu verbauen. Diese Künstlertürme sollten vor allem den Standort unseres Restaurants am Millstätter See aufwerten.

STANDARD: Sie haben von den Soravias auch eine sehr günstige Mietwohnung in Wien zur Verfügung gestellt bekommen.

Köfer: Sämtliche Wohnungen oder Hotelzimmer der Abgeordneten werden ausschließlich vom Bund bezahlt. Bitte woraus sollte da ein Vorteil entstehen? Außerdem habe ich diese Wohnung bereits im Jahr 2006 bezogen. Die Soravias haben das Haus längst weiterverkauft. Das ist ein weiterer, ziemlich schwacher Versuch, mich zu diffamieren.

STANDARD: Welches Wahlergebnis erwarten Sie am 3. März?

Köfer: Wir schaffen den Einzug in den Landtag vermutlich sicher, wir streben zwölf Prozent für einen Regierungssitz an und haben sicher noch Potenzial nach oben. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 11.2.2013)

Gerhard Köfer (52) ist Spitzenkandidat und Landesparteiobmann des Team Stronach in Kärnten, das sich am 3. März erstmals einer Wahl stellt. Seit 1997 ist er auch Bürgermeister der Stadt Spittal/Drau, seit 2006 Nationalratsabgeordneter. Im August 2012 trat Köfer aus der SPÖ und dem SPÖ-Parlamentsclub aus und wechselte als erster Abgeordneter zum Team Stronach, das damals gerade in Vorbereitung war und später mit BZÖ-Abgeordneten aufgefüllt wurde. Sein Bürgermeisteramt und seinen Sitz im Nationalrat behielt Köfer jedoch.

Link: "Der Wackelkandidat" - Das Monatsmagazin "Datum" über Gerhard Köfer

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    Gerhard Köfer ist felsenfest davon überzeugt, in Kärnten ein gewichtiger Player zu werden. Auch bei der Landeshauptmann-Wahl will er mitreden.

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