Immunsystem kann Krebs in Dauerschlaf treiben

11. Februar 2013, 11:39
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Bestimmte Kombination zweier Botenstoffe bei Experimenten erfolgreich

Tübingen - Bei einer Krebserkrankung ist die vollständige Krebsbeseitigung oft nicht möglich. Nach der Behandlung bleiben die überlebenden Krebszellen eine Bedrohung; es kann sein, dass der Krebs wieder zu wachsen beginnt. Ein Forscherteam um Martin Röcken von der Hautklinik des Universitätsklinikums Tübingen konnte nun zeigen, dass Immunantworten - eine bestimmte Kombination zweier Botenstoffe - Krebs und Krebszellen in einen Dauerschlaf versetzen können. Die Untersuchung ist im Wissenschaftsjournal "Nature" veröffentlicht worden.

Permanenter Dauerschlaf

Die Forscher betonten, einen entscheidenden, bisher unerkannten Mechanismus der Krebstherapie gefunden zu haben: Eine bestimmte Kombination der Zytokine Interferon und Tumor Nekrose Faktor kann die Entwicklung der Krebszellen permanent einfrieren. Das heißt, dass das Immunsystem selbst Krebs und Krebszellen in einen Dauerschlaf versetzen kann. Die Seneszenz hält das Wachstum der Krebszellen permanent an. Die Krebszellen verhalten sich wieder normal, der "Krebs schläft domestiziert im Körper".

Die Wissenschafter konnten dies experimentell zuerst bei einem Krebs der Inselzellen aus der Bauchspeicheldrüse zeigen. Die gemeinsame Aktion der beiden Botenstoffe Interferon und Tumor Nekrose Faktor kann demnach aber auch eine Reihe anderer Krebszellen der Maus und sogar verschiedene Krebszellen des Menschen anhalten und in die Seneszenz überführen. Das heißt, dass sich der menschliche Körper vor Krebs schützen kann, indem das Immunsystem wachsende Krebszellen in den Dauerschlaf treibt. Zudem hätten frühere Studien gezeigt, dass Immuntherapien besonders dann wirksam zu sein scheinen, wenn die Therapie den Krebs in seinem Wachstum dauerhaft anhält, betonten die Forscher. 

Krebszellen verblieben im Ruhezustand

Die Forschungsgruppe hat in ihrer Untersuchungsreihe auch die "schlafenden Tumorzellen" aus den Tieren isoliert und in gesunde, immundefiziente Mäuse transplantiert. Das Ergebnis: Die Zellen wachten nicht wieder auf, sondern blieben - auch ohne Therapie - weiter im Ruhezustand. Sie verhielten sich also nicht mehr wie ungehemmt wachsender Krebs.

Die Wissenschafter sehen nun die Möglichkeit, dem Ziel einer sinnvoll lebensverlängernden, möglichst nebenwirkungsarmen Krebstherapie nahe zu kommen. "Wahrscheinlich kann und muss Krebs nicht nur durch Zerstörung besiegt werden", so Röcken, "stattdessen muss es das Ziel sein, dem Körper wieder die Immunkontrolle über den Krebs zurück zu geben." (red, derStandard.at, 11.2.2012)

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