Linzer Medizin-Fakultät für Rektorenchef derzeit nicht finanzierbar

10. Februar 2013, 18:18
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Kanzler Faymann unterstützt eine Medizin-Fakultät in Linz, Rektorenchef Schmidinger rät zu einer Bedarfsanalyse

Linz/Wien - Politiker finden sich einige auf der Unterstützerliste, die das Land Oberösterreich stolz präsentiert, wenn es um die Errichtung einer Medizin-Fakultät an der Uni Linz geht. Am Wochenende konnten die Oberösterreichischen Nachrichten mit Bundeskanzler Werner Faymann (SP) den politisch ranghöchsten Befürworter wohlwollend zitieren.

Stimmen aus der Wissenschaft oder unipolitischen Institutionen, darunter das Wissenschaftsministerium, sind dagegen eher zurückhaltend und pochen auf genaue Analysen und Bedarfsabklärungen, ehe zusätzlich zu den drei bestehenden Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck noch eine Mediziner-Ausbildungsstätte errichtet wird. So sieht etwa der Wissenschaftsrat "derzeit keinen Bedarf für universitäre Neugründungen, auch nicht im medizinischen Bereich", sagte Vorsitzender Jürgen Mittelstraß im STANDARD.

Kein Neiddiskurs

Die Rektoren wurden über das Projekt noch nicht offiziell informiert. Ihnen wurde nur mitgeteilt, dass sie in der Hochschulkonferenz auch eine etwaige Medizin-Fakultät in Linz diskutieren sollen: "Hoffentlich erhalten wir dort konkrete Unterlagen zur Finanzplanung und eine aussagekräftige Bedarfsstudie", sagt der Vorsitzende der Universitätenkonferenz, Heinrich Schmidinger, im STANDARD-Gespräch.

Es sei sicher "nicht der Fall", dass die Rektoren gegen eine Med-Fakultät in Linz wären: "Es gibt keine Verhinderungspolitik der Rektoren gegen eine Medizin-Fakultät, es gibt keinen Neiddiskurs gegen die Uni Linz." Aber die Rektoren "geben einige Punkte zu bedenken", sagt Schmidinger.

So sei der von Oberösterreich ins Treffen geführte Ärztemangel erst einmal zu beweisen, es deute viel darauf hin, dass es diesen, wenn, so nur auf dem Land gebe. "Dieses Problem wird man aber nicht mit einer Med-Fakultät lösen können." Dass viele Medizin-Absolventen nach dem Studium weggingen, habe andere Ursachen: "Die gehen, weil sie im Ausland schneller zu einem Ausbildungsplatz kommen und besser bezahlt werden." Schließlich seien die Absolventenzahlen in Medizin seit Jahren konstant: "Es ist zu bezweifeln, dass eine zusätzliche Fakultät daran etwas ändern würde."

Zu guter Letzt spricht der Rektorenchef an, was auch Pühringer und seinen Mitstreitern klar ist: "Im Rahmen des jetzigen Uni-Budgets wäre das nicht finanzierbar. Für eine neue Medizin-Fakultät müsste es massive zusätzliche Mittel vom Bund geben", warnt Schmidinger. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 11.2.2013)

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    Eine Medizin-Fakultät Linz? Die Rektoren sind dagegen.

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