Rolland mit erstem Sieg Weltmeisterin, ÖSV geht erneut leer aus

10. Februar 2013, 15:16
553 Postings

Österreichs Damen enttäuschen in der WM-Abfahrt, Schladming erinnert an Crans Montana 1987, wo der ÖSV ohne Titel blieb. Einen guten Zeitpunkt fand die Französin Marion Rolland für den ersten Sieg. Hinter ihr kamen Nadia Fanchini und Maria Höfl-Riesch an

Schladming - Die steirische Gastfreundlichkeit hat offenbar auch das österreichische Team angesteckt. So oder so ähnlich lässt sich nach der ersten WM-Woche in Schladming bilanzieren. Nach fünf Bewerben hält der ÖSV bei nur einer Bronzemedaille durch Nicole Hosp in der Super-Kombination. In den vier Speed-Bewerben ging das Veranstalterland leer aus, ein ähnliches Debakel erlitt das finanzstärkste Skiteam der Welt seit der WM 1987 in Crans Montana nicht mehr. Mit zwei vierten Plätzen durch Hannes Reichelt im Super-G und Klaus Kröll in der Abfahrt war natürlich auch Pech dabei.

Dass es die Athleten und Athletinnen bisher nicht schafften, sich mit ihren Trainern und Betreuern auf den Punkt hin vorzubereiten, hat die Abfahrt der Damen eindrucksvoll unterstrichen. Andrea Fischbacher darf als Ausnahme gelten, die 27-jährige Salzburgerin schaffte nach einer absolut verpatzten Saison in Schladming ihre besten Resultate.

Fischbacher wurde mit 1,23 Sekunden Rückstand Achte und war damit wie im Super-G (9.) die beste Österreicherin. Mitfavoritin Anna Fenninger landete direkt hinter Titelverteidigerin Elisabeth Görgl als Elfte im geschlagenen Feld. Im Super-G und in der Super-Kombination nach Bestzeit in der Abfahrt war die 23-jährige Salzburgerin jeweils ausgeschieden. " Ich weiß nicht, es war extrem schwierig mit den ganzen Unterbrechungen", sagte Fenninger, "vom Licht und vom Untergrund her war es schlechter als in der Kombi-Abfahrt."

Sind die Resultate mit dem speziellen Druck bei der Heim-WM zu erklären? Die Statistik spricht dagegen. Nach Super-G und Abfahrt hielt der ÖSV 1991 in Saalbach-Hinterglemm bei drei Weltmeistertiteln und einer Bronzenen. 2001 in St. Anton stand zweimal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze zu Buche. Es wird wohl viel von Marcel Hirscher abhängen, ob der ÖSV in Schladming noch sportlich erfolgreich bilanzieren kann.

Die Abfahrtsgeschichte von Schladming schrieb Marion Rolland. Die 30-jährige Französin, mit Startnummer 22 als Letzte der Top-Gruppe ins Rennen gegangen, fing die überraschend führende Italienerin Nadia Fanchini um 0,16 Sekunden ab. Die Bronzemedaille gewann Maria Höfl-Riesch, die Weltmeisterin in der Super-Kombination. "Wir sind das Kreuzband-Podium", sagte die Deutsche, "jede von uns hatte mindestens schon zwei schwere Verletzungen."

Rolland hatte sich bei der Olympia-Abfahrt in Vancouver 2010 nach wenigen Fahrsekunden bei geringer Geschwindigkeit nach einem Verschneider das Kreuzband gerissen. In Schladming feierte die Französin, die aus der Gemeinde Saint-Martin-d'Hères östlich der Olympiastadt Grenoble in den Westalpen stammt, ihren ersten Erfolg. Kein schlechter Zeitpunkt jedenfalls.

Gutes Omen, guter Boden

"Ich bin keine Überraschungssiegerin", sagte sie, "ich wollte diese Medaille unbedingt. Wenn du an deine Ziele glaubst, wirst du sie erreichen. Es war atemberaubend heute." Dass ihr die Strecke liegt, bewies sie beim Weltcupfinale im März 2012. Damals erreichte sie im Frühlingsschnee mit Platz zwei in der Abfahrt und Rang drei im Super-G die ersten und bisher einzigen Podestplätze ihrer Weltcup-Karriere.

Rolland hat Frankreichs erstes Damen-Abfahrtsgold seit 57 Jahren geholt und die Grande Nation im Medaillenspiegel in Führung gebracht. Interessanterweise fuhr sie auf der harten Piste, auf der unter anderem die Tirolerin Stefanie Moser nach Bindungsbruch stürzte, aber auf keinem Teilstück die beste Zeit. Fanchini war zwar schwach gestartet, aber in vier Sektoren die Schnellste. Auf die 26-Jährige, die nach drei Kreuzbandrissen, Herzproblemen und fast zweijähriger Rennpause erst im Jänner 2012 in den Weltcup zurückkehrte, verloren etwa Görgl und Fenninger zwischen dritter und vierter Zwischenzeit ungefähr 0,6 Sekunden.

"Die Enttäuschung ist groß", sagte Damencheftrainer Herbert Mandl, "die harte Piste hätte uns entgegenkommen sollen. Aber nach den vielen Unterbrechungen wegen der Stürze war es schwer." Über Fenninger? "Sie hat zu viele Fehler gemacht." Was Crans Montana 1987 betrifft: Dort schloss Österreich mit drei Silbernen und einer Bronzenen ab. (David Krutzler, DER STANDARD, 11.2.2013)

ERGEBNIS: Abfahrt der Damen

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Weltmeisterin Rolland: Nach schlechten Zeiten kommen manchmal doch auch die guten.

Share if you care.