Gereizte Angler im linken Teich

Blog9. Februar 2013, 11:18
5 Postings

Drei linke Parteien werben in derselben Zielgruppe um Stimmen, in der auch Beppe Grillo fischt. Die Nerven liegen blank

Matteo Renzi, das neue Gesicht des Partito Democratico, macht seinem Ärger Luft: "Unnütze Stimmen dienen vor allem Silvio Berlusconi." Was den Bürgermeister von Florenz erregt, ist die Liste Rivoluzione Civile des Anti-Mafia-Staatsanwalts Antonio Ingroia.

In der hastig zusammengebastelten, linken Bürgerliste  haben sich Überbleibsel der kleinen, kommunistischen Parteien, einige Grüne, Reste der implodierten Partei Italien der Werte und des Movimento arancione um Neapels Bürgermeister Luigi De Magistris zusammengeschlossen. Ihr Spitzenkandidat ist der sizilianische Staatsanwalt Antonio Ingroia, der einen UNO-Auftrag zur Bekämpfung der Drogenkartelle in Mittelamerika angenommen hatte und  nach der vorzeitigen Auflösung des Parlaments eilig nach Italien zurückgekehrt ist.

Ingroia, der zu Selbstgefälligkeit neigt und sich als "Partisan der Verfassung" bezeichnet, hält Monti für gefährlicher als Berlusconi und lehnt die Zusammenarbeit mit dem Partito Democratico ab, der den 52-jährigen seinerseits mit  Verachtung straft. Noch gereizter reagierte der  Koalitionspartner des Partito Democratico: die links-alternative Liste SEL (Sinistra Ecologia Libertá) des apulischen Präsidenten Nichi Vendola wendet sich genau an dieselbe Zielgruppe, was zwischenden Kinkurrenten zu erheblichen Reibereien führte, die durch Abwerbungsversuche verschärft wurden.

Rivoluzione Civile überflügelte in den Umfragen zunächst Vendolas Liste deutlich und nährte im Partito Democratico Befürchtungen über einen Stimmenverlust. Doch nun scheint das Strohfeuer
erloschen. Ingroias Liste, auf der auch der frühere kommunistische Minister Paolo Ferrero und der ehemalige Staatsanwalt Antonio Di Pietro kandidieren, weist sinkende Werte auf.

SEL und Rivoluzione Civile liegen in Umfragen beide mit vier Prozent genau an der Sperrklausel für die Abgeordnetenkammer. Mit einem wesentlichen Unterschied: sinkt SEL unter diese Grenze, werden die Stimmen durch die Koalition mit dem PD aufgefangen.

Rutscht die neue Bürgerliste unter die Vier-Prozent-Marke, verpaßt sie den Einzug in die Kammer. Im Senat gibt es für die umstrittene Liste wegen der hohen Sperrklausel von acht Prozent kaum Hoffnungen - in ihrer Hochburg Sizilien liegt sie bei 5.9 Prozent. (Gerhard Mumelter, derStandard.at, 9.2.2013)

  • Antonio Ingroia.
 
    foto: reuters/tony gentile

    Antonio Ingroia.

     

  • Die neue Partei.
    foto: website

    Die neue Partei.

Share if you care.