Komponist Friedrich Schenker gestorben

8. Februar 2013, 19:49
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Ostdeutscher Vertreter der Neuen Musik

Berlin - Der deutsche Komponist Friedrich Schenker, der zu den renommierten Vertretern der Neuen Musik gehörte, starb am Freitag im Alter von 70 Jahren nach schwerer Krankheit in Berlin, teilte die Akademie der Künste mit.   "Der politische Einspruch, auch als Satire oder Groteske, blieb ihm bis zuletzt wichtig - Fanale des Widerstands gegen Kleingeistigkeit und eingefahrene Denkmuster", würdigte ihn Klaus Staeck, Präsident der Akademie.

Geboren wurde Schenker am 23. Dezember 1942 im thüringischen Zeulenroda. Nach einem Posaunenstudium an der Deutschen Hochschule für Musik in Berlin arbeitete er von 1964-1982 als Soloposaunist im Rundfunksinfonieorchester Leipzig. In der sächsischen Metropole gründete er auch 1970 gemeinsam mit dem Oboisten Burkhard Glaetzner die Gruppe Neue Musik "Hanns Eisler", deren Avantgardegedanke in der DDR-Musikszene für Furore sorgte. Nach seiner Karriere als Soloposaunist arbeitete er am Gewandhaus bis 1986 als Berater für zeitgenössische Musik, ab 1996 unterrichtete er Improvisation an der Hochschule für Musik Leipzig, auch wenn er seit 1990 in Berlin lebte.

Schenker reflektierte stets das politische Geschehen in der DDR und der Welt. Ihn bewegten metaphorische Programme oder Texte über große gesellschaftliche Auseinandersetzungen, die er in expressiven, energiegeladenen Partituren verarbeitete. Frühes Beispiel für sein kompositorisches Schaffen ist die Majakowski-Kantate (Kantate I für Bariton und kleines Blasorchester mit Klavier, 1970), der etwa die "Missa nigra" (1978) oder die "Michelangelo-Sinfonie" (1985) folgten.

Schenker schreckte auch vor großen Namen nicht zurück und schrieb etwa mit "Dritte Allemande" (1994) einen Kontrapunkt zu Beethovens 9. Symphonie oder setzte sich im Oratorium "Goldberg-Passion" (1999) mit der deutschen Geschichte auseinander. Zu seinen letzten Werken zählen die Stettiner Sinfonie (2009) oder die Alpenorchestermusik "In Höhen - Spiegellandschaft" (2010). Im Juni 2011 fand die Uraufführung der Kammeroper "Mord auf dem Säntis" in Appenzell statt.   (APA, 8.2.2013)

 

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