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Nach der Polka "So ängstlich sind wir nicht" von Johann Strauß Sohn flüchteten sich viele Debütanten in die Disco.

Neben einer Schneiderei für gerissene Abendgarderobe gibt es in der Staatsoper einen Schuster, der Stöckel wieder anklebt.
Wien - Dass Gina Lollobrigida von einer Band in hellblauen Glitzerkostümen mit der Titelmusik aus "Der Pate" auf dem roten Teppich begrüßt wurde, sahen mehr als 1,3 Millionen Menschen im ORF. Geholfen hat die kurzerhand eingeschobene Showeinlage dem Gastgeber Richard Lugner dennoch nicht - vor seiner Loge herrschte streckenweise gähnende Leere.
Für den ORF hingegen war der 57. Opernball auch in diesem Jahr ein Quotengarant. Die Eröffnung sahen sich 1,5 Millionen Zuseher an, was laut ORF bei einem Marktanteil von 60 Prozent dem höchsten Wert seit 2007 entspricht.
Für einen Hauch Spektakel sorgte der Auftritt des deutschen Designers Harald Glööckler, der sich auf dem Opernball vor lauter Begeisterung gleich mit seinem Lebensgefährten verlobt hat, wie er am Freitag erzählte.
Drinnen an der Feststiege pressten sich die Unteren der oberen Zehntausend aneinander, um einen Blick auf die wirklich wichtigen des Abends zu erhaschen. Oscar-Preisträgerin Hilary Swank schwebte über die Treppen, dahinter das deutsche Model Franziska Knuppe und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP).
Wer zu lange seine Zeit als Zaungast vertrödelte, hatte keine Chance mehr, die Eröffnung live zu erleben. Dutzende Männer versuchten sich in ihren Lackschuhen an den Geländern zum Ballsaal hochzuhangeln, aber bis 23 Uhr war es so voll, dass keiner reinkam, der sich nicht schon vorher einen Platz erkämpft hatte.
Viele der 5000 Gäste verfolgten die Zeremonie auf Bildschirmen in den diversen Nebenräumen. Selbst die Kellner blieben in ihrer Hektik immer wieder stehen, um etwas von dem Ballett oder den Arien aus La Bohème oder Don Giovanni mitzubekommen.
Bei der Eröffnung kippte eine Debütantin aufregungsbedingt vornüber, später sollten ihr noch drei weitere junge Damen und sechs Debütanten folgen, aber auch die Ohnmacht hat Tradition auf dem Opernball.
Skandale blieben weitgehend aus. In den unterirdischen Gängen herrschte buntes Treiben: Die Wege von Ballgästen, Sanitätern, Musikern, Tänzern und Kellnern kreuzten sich mit jenem des tschechischen Opernsängers Adam Plachetka, der seine Darbietung im Gehen übte.
In der Kantine für die Belegschaft, wo das Glas Wein nicht elf Euro wie oben, sondern nur knapp drei Euro kostet, genehmigten sich kurz nach Mitternacht drei Billeteure ihr erstes Bier. Im wahren Leben seien sie AHS-Lehrer und nur an diesem Abend in der Staatsoper zum Arbeiten, "einfach um dabei zu sein". Ein paar Schüler von ihnen seien auch da.
"Diejenigen, wo der Vater Geld hat", erzählt einer der Lehrer. Es klingt nicht verbittert, sondern einfach nach einer Tatsache. Wer auf den Opernball geht, muss dafür einiges hinlegen: 250 Euro kostet die Eintrittskarte, für eine Loge sind bis zu 18.500 Euro fällig. Doch mit fast 3,5 Millionen Euro Einnahmen ist der Ball der einzige Tag des Jahres, an dem die Oper Gewinn macht. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 9./10.2.2013)
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