Ein wahrer Fall von Vampirismus

8. Februar 2013, 18:21
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23-jähriger Familienvater erstaunt Psychiater: Tests ergaben keine schweren Persönlichkeits-Störungen, eine posttraumatische Belastungsstörung ließ ihn zum "Blutsüchtigen" werden

Istanbul - Angesichts der Popularität von Blutsauger-Sagas wie "Twilight" oder "True Blood" verwundert es, dass echte Fälle von Vampirismus nur äußerst selten vorkommen. Bei einer Umfrage haben Psychiater das Phänomen - wenn es denn existiert - allenthalben mit sehr schweren Persönlichkeitsstörungen wie Schizophrenie in Verbindung gebracht.

Kürzlich jedoch dokumentieren türkische Mediziner im "Journal of Psychotherapy and Psychosomatics" einen Fall von ausgeprägtem Vampirismus, der mit vergleichsweise milden psychischen Problemen einherging. Konkret beschreiben die Psychiater um Direnc Sakarya in ihrem Artikel einen 23-jährigen verheirateten Mann, der über zwei Jahre lang krankhaft süchtig nach Blut war.

Überfälle zur Blutbeschaffung

Zunächst begann der Mann, die Haut an seinen Armen, seiner Brust oder seinem Bauch mit einem Rasiermesser zu öffnen, um Blut in einer Tasse zu sammeln und dann zu trinken. Bald gab er sich aber nicht mehr mit seinem eigenen Blut zufrieden, wie die Psychiater berichten: Er hatte immer wieder Krisen, während derer er den unbedingten Drang hatte, Blut zu trinken. Also zwang er seinen Vater, Blut aus der Blutbank zu besorgen, überfiel dann aber immer wieder selbst Leute, um sie zu beißen oder mit einem Messer so zu verletzen, dass er sich mit Blut versorgen konnte.

Die Psychiater, die den Blutsüchtigen behandelten, rekonstruierten seine Familiengeschichte und führten diverse psychiatrische Tests mit ihm durch. Die Ergebnisse waren überraschend: Der Mann verfügte über eine normale Intelligenz, Tests gaben keine Hinweise auf eine Schizophrenie, Borderline-Persönlichkeit oder andere schwere Leiden. Allerdings litt der Patient unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich durch seine kriminellen Taten "tragischerweise noch verschlimmerte", wie die Psychiater berichten. (tasch, DER STANDARD, 09./10.02.2013)

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    Was braucht es, um blutsüchtig zu werden? Der Fall eines 23-Jährigen zeigt: Eine posttraumatische Belastungsstörung könnte ausreichen.

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