Hausgemachte Ärzte

Kommentar8. Februar 2013, 18:05
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Die überhastete Schaffung extrem kostenintensiver Medizin-Plätze hätte weitreichende Folgen für die anderen Unis

Die oberösterreichische Landespolitik wünscht sich eine Medizin-Fakultät in Linz. Für dieses Begehr haben sich erstaunlich breite Unterstützerlinien - parteiübergreifend, auf Landes- und Stadtebene - formiert. Es müsste nur noch die Bundesregierung diesem Wunsch nachgeben, dann könnten schon nächstes Jahr die ersten Mediziner ob der Enns an der aufgerüsteten Johannes-Kepler-Universität ausgebildet werden. So der Wunsch.

Die Wirklichkeit des noch immer so gut wie unregulierten, fast wildwüchsigen und finanziell prekären Hochschulraums Österreichs lässt aber dringend Entschleunigung anraten, auch wenn die oberösterreichischen Politiker den Wunsch nach einer Ärzteausbildungsstätte mit viel Leidenschaft und durchaus guten, allerdings strikt an ihrer Landesgrenze endenden Argumenten untermauern. Die überhastete Schaffung extrem kostenintensiver Medizin-Plätze hätte weitreichende Folgen für die anderen Unis.

Es braucht ein durchdachtes Konzept für ganz Österreich - und Ärztinnen und Ärzte nicht nur für Oberösterreich. Die Hoffnung, eigenen Ärztemangel künftig durch erhöhte Produktion "hausgemachter" Mediziner aus der landeseigenen Med-Fakultät zu beheben - Motto: oberösterreichische Ärzte für oberösterreichische Patienten - ist nicht nur ein bisschen provinziell - sie übersieht, dass ohne attraktive Arbeitsbedingungen danach auch der beste Studienort zu einer biografischen Zwischenstation werden kann. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

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