Stockende Geschäfte mit Quellwasser

8. Februar 2013, 17:49
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Enorme Mengen Wasser fließen ungenutzt den Bach runter. Das beflügelt Fantasien

Wien – Die ganze Welt wartet auf Wasser aus Österreich: Stefan Hacker schüttelt ob dieses Glaubens nur den Kopf: Quellwasser abzufüllen und zu exportieren erscheine banal, sei aber in Wirklichkeit eine "schwere Kiste". Denn neben der Mikrobiologie müsse man vor allem teures Marketing stemmen. "Es braucht einen langen Atem."

Hacker managte einst den Trauner Zuckerlkonzern Pez. Seit zwei Jahren versucht er den Wasserverkauf der Gemeinde Wildalpen in Schwung zu bringen. Von Wasserausverkauf sei hierbei keine Rede, beeilt er sich zu sagen. Anstatt die  Quelle ungenutzt den Bach runter rinnen zu lassen, fülle man davon ein wenig in Flaschen ab. Etwas, das auch jede Brauerei mache.

Wenig gewinnträchtig

Wie viele andere Kommunen in Österreich reizte einst auch Wildalpen das Geschäft mit dem Wasser. Rechte Gewinne warf es nie ab, und zeitweise drohte das Unternehmen gänzlich zu scheitern. Bis David Steike, ein gebürtiger Australier mit mehreren Dutzend Beteiligungen in Europa, einstieg. Er hält nun 92 Prozent der steirischen Wasserverwertungs GmbH, den Rest teilt sich die Gemeinde mit sieben privaten Investoren.

Gut 3,5 Millionen Flaschen sollen heuer abgefüllt werden, die zu 95 Prozent in den weltweiten Export gehen. Korea und Hongkong etwa zählten zu den größten Abnehmern. Erste Anfragen gebe es aus Ägypten und dem Jemen. Weitere 150.000 Großgebinde seien für den Wasserspender-Spezialisten Freshwater bestimmt. Hacker will den Umsatz damit auf 1,2 Millionen Euro verdoppeln und den Sprung aus der Verlustzone schaffen. 30 bis 50 Cent setzt Wildalp mit einem Liter Quellwasser um – das freilich über Leitungen von jeher auch die Wiener Netze speist.

Dass man verkauft, was in Wien ohnehin aus dem Hahn rinnt, lässt Hacker so nicht gelten. Wasser direkt aus der Quelle sei eben nicht mit jenem vergleichbar, das gut 36 Stunden durch Rohre fließe und zwischengelagert werden müsse.

Auch Thomas Muster entdeckte diesen Vorzug für sich. Das frühere Tennis-Ass versuchte Hochschwab-Wasser vor sieben Jahren unter der Marke "Toms" in Gastronomie und Sportfilialen zu vermarkten. Heute erinnert nur noch ein Plakat in der Wildalp-Abfüllanlage ans vergebliche Vorhaben.

Hacker will in einer anderen Nische reüssieren: mit Baby-Wasser. Es diene der Zubereitung für Babynahrung und sei wie eine Einstiegsdroge, die weitere Geschäfte nach sich ziehe. Hipp zählt zu den Abnehmern und werde es ab April in Österreich und Deutschland vermarkten. Gute Chancen sieht Hacker auch in Wasser für Kaffee- und Teemaschinen. Pilotprojekte in Hongkong seien am Laufen.

Ansonsten sehen die Verdienstquellen für Österreichs Quellwasser dürftig aus. Jahrzehnte währte der Traum der Gemeinde Nassereith von lukrativen Wasserexporten, die mittels arabischer Geldflüsse 150 Arbeitsplätze in Tirol hätten bringen sollen. Das Projekt mündete 2008 statt in PET-Flaschen in der Pleite der Betreiber.

Mateschitz zapft Thalheim an

Tafelwasser-Pipelines aus Öblarn sind ebenso Geschichte wie Kärntner Fantasien über Geschäfte mit den Emiraten. Es sind hohe Kosten für Infrastruktur, Transport und Marketing, die sie im Sand verlaufen lassen, abgesehen von Ängsten vor Abverkauf an das Ausland. Wobei bei Mineralwasser offenbar andere Regeln gelten: Römerquelle etwa ist in Hand des Getränkemultis Coca-Cola. Bei kleineren Abfüllern wie der Peterquelle hat sich Hans-Jürgen Riegel aus dem Haribo-Reich beteiligt.

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz erwarb 2008 die obersteirische Quelle Thalheim bei Pöls, die zuvor von einer Armenstiftung verwaltet wurde. Heuer werde mit dem Bau der Abfüllanlage begonnen, erzählt Bürgermeister Gernot Esser. Die Quelle sei geschichtsträchtig, "wir sind froh, dass sich wieder etwas bewegt".

Die Bundesforste verwalten gut zehn Prozent des österreichischen Quellwassers. Ambition, dieses in größerem Stil zu vermarkten, gibt es keine. Derzeit bringe es gerade einmal 600.000 Euro ein – bei ei-ner gesamten Betriebsleistung von 226 Millionen Euro, rechnet eine Sprecherin der Staatsforste vor. Es spiele betriebswirtschaftlich gesehen einfach keine große Rolle. (Verena Kainrath, DER STANDARD; 9.2.2013)

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