Österreichische Filme: Selbstausbeutung ist keine Seltenheit

8. Februar 2013, 18:50
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Bei all den international Erfolgen steht daheim einmal mehr das Fördersystem in der Kritik

Berlin - An internationaler Aufmerksamkeit mangelt es dem österreichischen Kino gewiss nicht. Ein Tiger-Award auf dem Filmfestival von Rotterdam (Soldate Jeannette), Preise beim Max-Ophüls- Festival in Saarbrücken (Der Glanz des Tages; Talea), insgesamt vier Filme auf der Berlinale - und nicht zu vergessen Michael Hanekes bereits in Cannes prämiertes Drama Amour, das gleich für fünf Oscars nominiert ist.

Doch anders als im Ausland, das mit Anerkennung auf diese Vielfalt blickt, herrscht in Österreich Anspannung: Ein Dauerbrenner ist die mangelnde Publikumsakzeptanz des heimischen Films im Kino - eine Misere, die sich bei Autoren wie Ulrich Seidl oder Michael Haneke zuletzt immerhin nicht fortgesetzt hat.

Eine andere Baustelle stellt die Filmförderung dar. Zwar wurde das Budget des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) 2012 von Kulturministerin Claudia Schmied (SP) auf 20 Millionen Euro aufgestockt. Doch über die Vergabepolitik von Beiräten und Beschwerlichkeiten bei der Projekt-Einreichung herrscht in der Branche Unruhe. Manche Produzenten würden weniger Filme mit größeren Budgets bevorzugen - andere versuchen genau dies zu verhindern.

Die Akademie des österreichischen Films plant deshalb für Anfang März ein Symposium, bei dem man der Frage nachgehen will, "was am aktuellen Filmfördersystem gut funktioniert und wo Verbesserungsbedarf besteht". Dass ein Forderungskatalog das Ziel sei, der vor der anstehenden Nationalratswahl präsentiert werden soll, wollte man auf Anfrage des Standard nicht bestätigen: Die Veranstaltung sei für einen kleinen Kreis gedacht, verlautbarte die Akademie etwas nebulös.

Eine Bundesförderstelle, die dringend der Aufstockung bedarf, ist jene des BMUKK, deren Budget bei zwei Millionen Euro stagniert. Dabei deckt sie ein Vielzahl von unabhängigen, kleinen Produktionen ab, darunter immer mehr in Spielfilmlänge. Schmied, die in diesen Tagen auch die Berlinale besucht, pflichtet auf Standard-Nachfrage bei: "Gemeinsam muss es unser Ziel sein, eine Erhöhung der Fördermittel für kleine und mittelgroße Produktionen zu erwirken. Dies wird Diskussionspunkt für die nächsten Regierungsverhandlungen sein."

Diagonale-Intendantin Barbara Pichler weist noch auf einen weiteren wichtigen Punkt hin, der oft übersehen wird: "Es geht auch darum, bestimmte künstlerische Verfahrensweisen zu ermöglichen. Die einzelnen Förderstellen haben unterschiedliche Profile und auch die Aufgabe, diese Vielfalt und Reichhaltigkeit sicherzustellen." Dass die Zuständigkeiten dabei nicht immer so eindeutig sind, davon zeugt Constanze Ruhms und Christine Langs kommende Woche laufender Berlinale-Beitrag Kalte Probe, der nicht aus dem Filmfonds des BMUKK, sondern - geringer - aus dem der Kunst gefördert wurde.

Ruhm hat sich mit einem Kredit über die Runden geholfen - Selbstausbeutung ist bei Filmen dieser Art keine Seltenheit. (kam, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

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