"Haij! Haij! Hiij!"

8. Februar 2013, 17:28
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Zur Attraktion schlechthin musste naturgesetzartig jenes Wesen heranschwellen, das einer Kutsche entstieg

Natürlich ergab das einen ersten TV-Höhepunkt, als der Bundespräsident den Ohrring von der Stiege aufhob und Desirée Treichl-Stürgkh zurückgab, die ihn bei der Begrüßung verloren hatte. Unvergesslich auch, wie stolz ORF-Dame Mirjam Weichsebraun reagierte, als ihr der Bundespräsident einen Spielzeugpinguin gab.

Zur Attraktion schlechthin musste jedoch naturgesetzartig jenes Wesen heranschwellen, das einer Kutsche entstieg. Es sah aus wie ein Mix aus Musicalphantom (der Oper) und einem Werwolf, der zuvor durch eine Glastür gerast war. Entsprechend oft kam Modeprinz Harald Glööckler ins Bild; mindestes so oft wie der Blumenschmuck des Abends.

Hier schlummert auch ein gewisses Verbesserungspotenzial bezüglich der 17 ORF-Kameras: In Zukunft weniger solches Gerät bitte, dafür mehr Moderatoren. Dann wäre nicht mitzuverfolgen, wie die Hauptlastenträger (Mirjam und Alfons Haider) in Richtung Erschöpfung treiben. Nein, keine Pannenparade. Aber es machte traurig, wie Haider, der als Schwiegersohntyp auf der Herdplatte des Stress' begann, schließlich zum Frageautomanten mutierte, der Antworten nicht mehr zu hören schien und Worte wie "Dreamfrau" kreierte.

Mirjam wiederum wirkte, als hätte sie eine unsichtbare Glücksrüstung angelegt, um bei einem Casting für die Rolle als Romy "Sissi" Schneider nichts dem Zufall zu überlassen. Sie versprühte Zuckersüße ("Haij! Haij! Hiij!"), doch auch ihr Herzlichkeitsakku leerte sich vorzeitig; die kommenden Dancing Stars (wurden zweimal interviewt) trieb sie jedenfalls dominagrob auf die Tanzfläche.

Ja, diese Menschen brauchen Hilfe. Zumal dann, wenn sie zwei Fragen ("Ist das nicht der schönste Ball der Welt?" und „Werden Sie tanzen?") ungefähr 960-mal stellen müssen. Das schreit nach Personalaufstockung. Und zweifellos wäre es einen Versuch wert, Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz als Interview-Rotes-Kreuz in den Staatsopernring zu schicken. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

  • Die ORF-Kameras liebten ihn: Harald Glööckler.
    apa-foto: herbert pfarrhofer

    Die ORF-Kameras liebten ihn: Harald Glööckler.

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