Zehn Tote bei Anschlägen auf nigerianische Polio-Impfkliniken

8. Februar 2013, 22:42
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Islamisten sehen in Impfprogramm ein Komplott des Westens zum Schaden der Muslime

Kano - Bewaffnete Männer haben in Nigeria bei Anschlägen auf zwei Kliniken zur Impfung gegen Kinderlähmung am Freitag mindestens zehn Menschen getötet. Ein Polizeisprecher in der nordnigerianischen Stadt Kano sagte, die motorisierten Angreifer seien anschließend entkommen. Staatspräsident Goodluck Jonathan verurteilte die "feigen Terrorangriffe" und versprach, dass die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen würden.

Die Zahl der Toten stieg auf zehn, nachdem eine Frau im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag, wie ein Arzt mitteilte. Ein Geistlicher hatte sich diese Woche gegen die Impfkampagne in Kano gewandt, und örtliche Radioprogramme griffen Verschwörungstheorien auf, wonach es sich bei dem Impfprogramm um ein Komplott des Westens zum Schaden der Muslime handele.

WHO-Ziel

Die Ausrottung des Poliovirus durch Impfung ist ein Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Regierung des nigerianischen Bundesstaats Kano hatte das Impfprogramm im Jahr 2003 für 13 Monate ausgesetzt. Der damalige Gouverneur reagierte damit auf Beschuldigungen nigerianischer Geistlicher, wonach die Impfungen junge Frauen unfruchtbar machen könnten - als Teil eines Plans der USA, Afrika zu entvölkern. Laut WHO entfielen 2012 von 222 Polio-Fällen weltweit 121 auf Nigeria.

Die Hintergründe der beiden Überfälle lagen zunächst im Dunkeln. Die Islamistenorganisation Boko Haram verübte in der Vergangenheit mehrfach tödliche Anschläge in Kano. Dort sind aber auch Banden aktiv, die mit örtlichen Politikern unter einer Decke stecken. Anschläge auf Polio-Impfkampagnen hatte es in jüngster Zeit auch in Pakistan gegeben. (APA, 8.2.2013)

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