"Ich hätte da eine Idee"

8. Februar 2013, 17:10
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Ist "Betriebliches Vorschlagswesen" zeitgemäß, bringt es tatsächlich Vorteile im Wettbewerb?

Zugegeben: Es ist ein "Hingucker", wenn der Wolfsburger Autokonzern VW verkündet, 2012 allein mit Mitarbeiterideen 119 Millionen Euro eingespart zu haben. Da wird wieder über das Thema des betrieblichen Vorschlagswesens, oder etwas sperriger "kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)", wie es auch genannt wird, diskutiert - zuweilen kontroversiell.

Denn auch wenn so viele das Ideenmanagement in ihren Unternehmungen gutheißen - es gibt ebenso viele, die es für zumindest überholt halten. Beraterin und Coach Sonja Radatz gehört zur Gruppe der Letztgenannten: " Warum beschäftigen wir uns überhaupt mit KVP oder mit Themen wie Motivation?", fragt sie - und schießt gleich die Antwort nach: "Weil wir einen Führungs- und betriebswirtschaftlichen Stil leben, der das offensichtlich braucht. Das ist ein Ergebnis unserer Zeit. Ich halte das für verrückt."

Kultur des Mitdenkens

Abgesehen davon, dass es von der Idee bis hin zum Verbesserungsprozess oft Monate dauere, so die Beraterin weiter, halte sie es für absurd, Verbesserungen vorschlagen zu müssen. Nicht zuletzt gingen all diese Ideen davon aus, so Radatz weiter, "dass das gewünschte Neue etwas mit dem alten zu Korrigierenden zu tun hätte". Es sei eine Frage des Führungsstils, der Unternehmenskultur, Menschen echte Verantwortung zu geben oder eben nicht.

Ganz anders die Haltung zum Ideenmanagement bei Infineon Technologies in Kärnten, nämlich durchwegs positiv. Dort ist es Teil eines übergeordneten Innovationsmanagements. Diese Ideen, sagt Technikvorstand Sabine Herlitschka, seien nicht mit revolutionären Innovationen gleichzusetzen. "Es gibt nicht nur das eine Extrem oder das andere. Wir brauchen einen guten Mix aus Ideen zur Verbesserung von Abläufen und Prozessen", sagt sie.

Eingeführt wurde das Ideenmanagement im Jahr 2008. Im Jahr 2011/2012 wurden bei Infineon Österreich 2300 Vorschläge eingereicht und mehr als 1000 davon realisiert. Der Nutzen liege laut Herlitschka bei mehr als zwölf Millionen Euro. Auf die Mitarbeiterbeteiligung von 36 Prozent ist Herlitschka stolz. "Das aus meiner Sicht Wichtige ist die ganz persönliche Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Die Leute wissen - und das wurde durch die Krise sicher verstärkt: Wenn das Unternehmen gut aufgestellt ist, wenn man sich über die Wettbewerbsfähigkeit Gedanken macht, sichert das auch die eigene berufliche Zukunft", so Herlitschka weiter. Viele Arbeitsplätze seien am Standort Kärnten auch davon abhängig, dass diese Kultur des Mitdenkens gut funktioniere.

"Ein bisschen Körberlgeld"

Beim Faserspezialisten Lenzing können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Verbesserungsvorschläge in der Ideenbörse einbringen - im vergangenen Jahr wurde zu einer Online-Variante gewechselt. Die Papiervariante hatte sich überholt sagt Manfred Altmann, der neben seinem eigentlichen Job in der Personalabteilung eben auch für die Ideenbörse zuständig ist. Nicht zuletzt wolle man die Kollegen am Standort Heiligenkreuz teilhaben lassen. Die Ideenbörse sei vom Innovationsmanagement entkoppelt, erklärt Altmann, und auch vom internen Schwachstellenmanagement. Wenn also Ideen reinkämen - rund 300 im Jahr mit einer Umsetzungsrate zwischen 50 und 60 Prozent -, dann dienten sie dazu, Entwicklungen voranzutreiben. Nicht selten mit hohem Nutzen, so Altmann weiter. Man arbeite an einer höheren Akzeptanz des Tools, die Mitarbeiter sollten auch darüber Anerkennung und Wertschätzung erfahren - und, wie Altmann sagt, "sich so auch ein bisschen Körberlgeld nebenbei verdienen". (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

  • Gute Ideen war die Stärke von Wickie, in Unternehmen sind sie nicht immer erwünscht.
    foto: orf/zdf

    Gute Ideen war die Stärke von Wickie, in Unternehmen sind sie nicht immer erwünscht.

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