Pühringer: "Linz hat ein Anrecht auf eine Voll-Universität"

8. Februar 2013, 16:48
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Oberösterreich macht Druck: Noch vor der Wahl müsse eine Medizin-Fakultät für Linz zugesichert werden. Wissenschaftsrat sieht "derzeit keinen Bedarf"

 Linz/Wien - Die "Oberösterreich-Minister" in Wien wurden schon erfolgreich überzeugt: Alois Stöger (Gesundheit, SPÖ), Maria Fekter (Finanzen, ÖVP) und Reinhold Mitterlehner (Wirtschaft, ÖVP) unterstützen den Wunsch ihrer Politikerkollegen im Heimatbundesland nach einer eigenen Medizin-Fakultät für Linz.

Wobei Wunsch die Sache nicht ganz trifft, Forderung schon eher. Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), der nicht nur einen Allparteienantrag von ÖVP, Grünen, SPÖ und FPÖ im Landtag, sondern auch die Stadt Linz, die Ärztekammer Oberösterreich und die Johannes-Kepler-Uni Linz hinter sich weiß, macht im Standard-Gespräch Druck auf die Bundesregierung: "Wir verlangen noch vor der Nationalratswahl einen Grundsatzbeschluss, dass Linz eine Medizin-Fakultät bekommt."

Die soll aber auch nur ein Zwischenschritt sein. Pühringer will mehr und argumentiert dazu mit den starken Wirtschaftsdaten Oberösterreichs: "Wir sind überall Nettozahler in den Steuertopf. Daher stellen wir die Forderung, dass Linz auf Dauer gesehen eine Voll-Universität bekommen muss. Wir haben ein Anrecht darauf." Er räumt zwar ein, dass eine Voll-Universität für Linz "ein Projekt auf Jahrzehnte" sei, aber eine Medizin-Fakultät könnte und soll ab Herbst 2014/15 starten.

80 Spitalsärzte fehlen

Dafür würden auch gesundheitspolitische und demografische Zahlen sprechen, sagt der Landeshauptmann: "Allen Prognosen zufolge geht Oberösterreich einem Ärztemangel entgegen. Schon jetzt fehlen in den Spitälern rund 80 Ärzte. An die 25 Arztstellen im niedergelassenen Bereich mussten wir zwei- bis dreimal ausschreiben, einige Stellen sind überhaupt unbesetzt, und das wird immer schwieriger."

Die Zahl der Medizinstudenten aus Oberösterreich sei gesunken - von 2300 im Studienjahr 2000/01 auf 1092 2010/11, die der Studienanfänger von 259 auf nur 100. Dazu gingen in zehn, fünfzehn Jahren wesentlich mehr Ärzte in Pension als junge nachkämen, und das alles in einer alternden Gesellschaft, warnt Pühringer: "Es ist absehbar, wenn wir nichts tun, dann passiert etwas."

Das Land sei jedenfalls vorbereitet für künftige Medizinstudierende. Oberösterreich habe in den vergangenen zehn Jahren 1,8 Milliarden Euro in Infrastruktur und Qualität der Krankenhäuser investiert, "die sofort als Uni-Kliniken geeignet sind". Außerdem wären 60 Professoren und Dozenten, die schon jetzt an den Medizin-Unis in Wien, Graz oder Innsbruck lehrten, im Land verfügbar. Auch die Uni Linz sei bereit, habe sie doch einige Studien im medizinnahen Bereich im Angebot, etwa Medizinmechatronik, Medizinrecht oder Medizininformatik.

Auch finanziell biete Oberösterreich eine "attraktive Anschubfinanzierung" für die im Endausbau gewünschten 200 Medizinstudienplätze in Linz an. Das Land und die Gemeinden würden die ersten fünf Jahre die Kosten zur Gänze selbst tragen, im Jahr sechs sollte der Bund mit 20 Prozent einsteigen und dann jährlich weitere 20 Prozent drauflegen: "Im zehnten Jahr muss der Bund dann die Vollkosten übernehmen. Unser Angebot ist für den Bund sehr günstig", ist Pühringer überzeugt.

Die Frage ist, ob der Bund überhaupt zusätzliche Medizin-Plätze will oder für nötig hält. Derzeit gibt es 1500 (Wien 750, Innsbruck 400, Graz 360; 75 Prozent davon per EU-Quote für Österreicher reserviert, 20 Prozent EU-Bürger, fünf Prozent Nicht-EU-Bürger).

Drei Med-Unis verbessern

Der Wissenschaftsrat, das zentrale Beratungsgremium des Wissenschaftsministers, äußert sich sehr zurückhaltend hinsichtlich eines weiteren Medizin-Standorts: "Wir sehen derzeit keinen Bedarf für universitäre Neugründungen", sagt Vorsitzender Jürgen Mittelstraß (Uni Konstanz) zum Standard. Auch aus der Ärztebedarfsstudie von 2012, die bis 2020 prognostiziert hat, "geht kein wirklicher Bedarf an zusätzlichen medizinischen Studienplätzen hervor. Erforderlich ist allein eine Verbesserung der Ausbildungssituation an den gegebenen Ausbildungsstätten." Zudem seien die Linzer Pläne "weitgehend unklar, im Übrigen dürfte die im Zusammenhang mit Ausbauplänen häufig geäußerte Vorstellung, die Ausgebildeten, deren Zahl man erhöhen wolle, blieben im Land, naiv sein", sagt Mittelstraß.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle reagiert auf die Linzer Medizin-Wünsche noch sehr verhalten. Er hält "eine Einbettung in den österreichischen Hochschulplan für wichtig", sagte er zum Standard. Er will die Hochschulkonferenz mit dieser Frage befassen. Eine Gelegenheit, sich mit einer Medizin-Fakultät für Linz zu beschäftigen, gibt es schon bald. Das Gremium tagt kommenden Mittwoch. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

 

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    Derzeit kann in Österreich an drei medizinischen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck Medizin studiert werden. Die oberösterreichische Landespolitik wünscht sich eine Fakultät in Linz.

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