Bittersüße Schmerzen

8. Februar 2013, 18:54
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Eingängigkeit und niederschmetternde Botschaften: The Raveonettes spielen in der Wiener Arena und im Rockhouse Salzburg

Salzburg/Wien - Landen eigentlich alle coolen Kopenhagener in Los Angeles? Nach Filmregisseur Nicolas Winding Refn trifft das auch auf die Band The Raveonettes zu - zumindest auf die männliche Hälfte des Duos: den Sänger und Gitarristen Sune Rose Wagner.

Seine musikalische Partnerin Sharin Foo ist in New York hängengeblieben. Seit Ende der 1980er spielte Wagner, inspiriert von den dänischen Dunkelmännern Disneyland After Dark, in diversen Combos. Ins reale Disneyland zog es ihn und Foo 1999, dort gründeten sie die Raveonettes. Der Name steckt das musikalische Universum ab: Zum einen bezieht er sich auf den Buddy-Holly-Song Rave On, zum anderen auf die 1960er-Girlgroup The Ronettes.

Auf dem zweiten Raveonettes-Album Pretty In Black (2005) hat Ronnie Spector neben Velvet-Underground-Schlagzeugerin Mo Tucker und Suicide-Keyboarder Martin Rev einen Gastauftritt. Zu diesen Referenzen kommen noch die Glasgower Lärmwandbaumeister The Jesus & Mary Chain.

Diese Elemente mischt das Raveonettes-Duo jetzt schon seit dem Debütalbum Chain Gang Of Love (2003) ziemlich virtuos. Meist unterstützt von Richard Gottehrer, der als Liedschreiber und Produzent seit den frühen 1960ern bis in die Punk-Ära (Blondie, The Fleshtones) etliche der Vorlagen für die Raveonettes-Zitate austüftelte.

Auch am sechsten Album, Observator, war er beteiligt. Aufgenommen in einem Studio, in dem schon die Doors an die Pforten der Wahrnehmung pumperten, variieren Wagner und Foo ihr Klangbild mittels Klavier, eine (vorgetäuschte) Eingängigkeit kann die niederschmetternden Botschaften kaum verbergen. Schließlich litt Wagner während der Sessions an argen Rückenschmerzen.

Getreu dem Song der Jesus & Mary Chain, Happy When It Rains, verwandeln The Raveonettes negative Energie in euphorische Songs, die sich mit Gassenhauern wie Petula Clarks Downtown vergleichen lassen.   (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

  • 11. 2.: Salzburg, Rockhouse. 20.30
  • 12. 2.: Wien, Arena. 20.00
  • Euphorie trotz allem: The Raveonettes.
    foto: rockhouse

    Euphorie trotz allem: The Raveonettes.

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