Anregung zum freien Fall

8. Februar 2013, 19:01
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Das Interesse an Kunst ist in Italien stabil - noch. Steuererhöhung und Co verschärfen die Situation

Mit 135 Galerien waren bei Italiens wichtigster Kunstmesse, der 37. "ArteFiera" (25. bis 28. 1. 2013) in Bologna, um 15 Aussteller weniger präsent als noch im Vorjahr. Der Aderlass war vor allem bei den ausländischen Galerien deutlich. Deren Anteil halbierte sich innerhalb eines Jahres auf 13 Teilnehmer, davon sechs deutsche und eine österreichische Galerie.

Nun versuchen das neue Kuratoren-Duo, Claudio Spadoni und Giorgio Verzotti, die älteste Messe zeitgenössischer und moderner Kunst in Italien zu beleben und die Kauftätigkeit zu stimulieren. Unterstützung erhalten sie dabei etwa über den neuen Fonds der "Fiera Bologna", über den im Zuge der Messe künftig jährlich Ankäufe zum Gegenwert von bis zu 100.000 Euro getätigt werden.

Stabiles Interesse

Das Interesse an Kunst dürfte weiterhin vorhanden sein. Dies bewies zumindest der Zuwachs an Messebesuchern (+15 % ggb. 2012) auf die 42.000 Messebesucher. Dennoch, "das Umfeld wird aber schwieriger", analysiert Massimo De Carlo, Präsident des Vereins italienischer Galerien, die gegenwärtige Lage. Verschärft wird die Krise am lokalen Kunstmarkt noch durch einige Maßnahmen "made in Italy", die, wie Insider befürchten, in einem freien Fall münden könnten. Ab Mitte 2013 soll die Mehrwertsteuer von derzeit 21 auf 22 Prozent erhöht werden. Dabei bremsen die im Vergleich zu anderen EU-Ländern höheren Steuerbelastungen schon jetzt, ebenso die leistungsschwache Bürokratie die Ausfuhren von Kunstgegenständen.

Dazu betreffen die vom geschäftsführenden Regierungschef Mario Monti eingeführten Maßnahmen zur Bekämpfung der Steuerflucht nicht nur die Besitzer von Luxusautos und Yachten, sondern auch von Kunstwerken. Neuerdings stehen auch Kunstgalerien im Visier der Steuerfahnder, bestätigt De Carlo.

Abwanderung ins Ausland

Ab März soll mit dem "Redditometro" ein sogenannter Einkommensmesser eingeführt werden: Dann werden die Steuerpflichtigen auf ihre seit 2009 getätigten Einkäufe, ob es sich nun um Kunstwerke oder Elektrogeräte handelt, überprüft. Die Galeristen ihrerseits werden genötigt, eine detaillierte Liste aller Kunden und Lieferanten zu führen.

Kein Wunder, dass Italiens Sammler zwischenzeitlich einem Kunstkauf im Aus- und nicht im Inland den Vorzug geben. "Der italienische Kunstmarkt bewegt sich mehr ins Ausland, als nicht so sehr in den inoffiziellen Bereich", meinte Ferrari-Präsident und passionierter Kunstsammler, Luca di Montezemolo auf der Messe.

Auch Galeristen wollen diesen Trend nutzen und sich künftig stärker im Ausland engagieren. Drei Mailänder Galeristen - die nicht genannt werden wollen - überlegen bereits sehr konkret, ihren Standort in das nahegelegene Tessiner Städtchen Lugano zu verlagern.  (Thesy Kness-Bastaroli, Album, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

 

  • Marina Abramovic ("Chair for human / spirit use", 2012) im Artefiera-Angebot.
    foto: galleria lia rumma

    Marina Abramovic ("Chair for human / spirit use", 2012) im Artefiera-Angebot.

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