Pferdefleisch in britischen Lebensmitteln: Kriminelle Machenschaften vermutet

9. Februar 2013, 20:47
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Umweltminister befürchtet weitere Fälle - Verzehr von Pferden gilt auf der Insel als unethisch - Lasagne-Produkt wurde erst kürzlich aus dem Verkehr gezogen

London - Im Skandal um als Rind deklariertes Pferdefleisch in Großbritannien könnte es nach Ansicht des britischen Umweltministers Owen Paterson "weitere schlechte Nachrichten geben". Das sagte der Politiker am Samstag nach Gesprächen mit Herstellern und Vertretern der Lebensmittel-Aufsichtsbehörde FSA. Erst Ende kommender Woche erwarten die Behörden darüber Klarheit, in welchem Umfang Pferdefleisch in Fertigkost gelangt ist.

Begonnen hatte der Fall Mitte Jänner mit dem Fund von Pferdefleisch-Spuren bei irischen Herstellern. Tausende Menschen haben ohne ihr Wissen Pferdefleisch gegessen, seit Tagen kommen auf der Insel neue Details ans Licht. Die Aufsichtsbehörde vermutet hinter dem Skandal kriminelle Machenschaften. Die Polizei hat bisher keine Ermittlungen aufgenommen. Hersteller sind jedoch verpflichtet worden, ihre Rindfleisch-Produkte zu testen.

Pferd statt Rind

Erst kürzlich wurden Lasagne-Produkte aus dem Verkehr gezogen. Nach Untersuchungen der FSA enthielten als Rindfleisch-Lasagne deklarierte Produkte eines großen Herstellers bis zu 100 Prozent Pferdefleisch. Die Kunden wussten davon nichts. Erste Spuren führen zu einem französischen Hersteller, der Fleisch unter anderem auch aus Rumänien bezieht.

Elf von 18 getesteten Nudelaufläufen der Firma Findus hätten einen Pferdefleisch-Anteil von mindestens 60 Prozent, zum Teil sogar 100 Prozent aufgewiesen, teilte die FSA mit. Es gebe aber keine Hinweise auf ein Gesundheitsrisiko durch den Verzehr der Lasagne.

Die FSA hatte Findus zuvor aufgefordert, das Gericht auf das Veterinärmedikament Phenylbutazon zu testen. Tiere, die damit behandelt werden, dürfen nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Das Medikament wird häufig bei Pferden eingesetzt.

Hergestellt in Frankreich

Findus habe inzwischen sämtliche seiner Lasagne-Produkte aus dem Handel zurückgerufen, teilten die Behörden mit. Verbraucher seinen aufgerufen worden, die Findus-Lasagne nicht zu verzehren. Hergestellt wird das Produkt von der französischen Comigel-Gruppe im Auftrag von Findus. Die Supermarktketten Tesco und Aldi zogen deshalb vorsichtshalber ihre Comigel-Waren aus dem Verkehr.

Mitte Jänner hatte der Fund von Pferdefleisch in Tiefkühl-Hamburgern von Supermärkten in Großbritannien und Irland für Verunsicherung bei den Verbrauchern geführt. Angeblich sollten die Hamburger aus 100 Prozent Rindfleisch bestehen. Verkauft wurden die Tiefkühlprodukte dort von großen Supermarktketten wie Aldi, Lidl, Tesco, Iceland und Dunnes.

Britische Probleme mit Pferdeverzehr

Der Verzehr von Pferdefleisch gilt in Großbritannien als absolutes No-Go. Wie die BBC berichtet, gibt es dafür vor allem drei Gründe: Erstens werden Pferde als Haustiere gesehen. Zweitens waren sie früher für Kriege und als Transportmittel sehr nützlich. Und drittens gebe es auch emotionale Verbindungen zu Pferden.

Dass nun in Lebensmitteln bereits zum zweiten Mal Pferdefleisch entdeckt wurde, verstört viele Menschen in Großbritannien. Der Guardian hat auf seiner Onlineplattform mittlerweile eine eigene Sonderseite zu dem Thema eingerichtet. (APA/red, derStandard.at, 8.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vor allem französische Pferdefleischer werden kritisch beäugt. Im Bild ist ein ehemaliges Geschäft in Paris zu sehen.

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