Die ehrenwerten Menschen und das große Finale

8. Februar 2013, 14:34
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Burkina Faso fiebert dem ersten Endspiel seiner Fußballgeschichte entgegen, Pitroipa trotz Roter Karte dabei - Favorit am Sonntag heißt Nigeria

Johannesburg - Seit Tagen hat der Fußball die Menschen rund um die Place des Nations Unies inmitten Burkina Fasos beschaulicher Hauptstadt Ouagadougou im Griff. Am Sonntag (19.00 Uhr), im Finale des Afrika-Cups in Johannesburg gegen Nigeria, könnte das Nationalteam seinen überraschenden Erfolgszug krönen.

"Wir sind für unser Volk hier. Wenn ich in Südafrika juble, dann juble ich für alle Menschen in Ouagadougou, für alle in Burkina Faso", sagt Stürmer Aristide Bancé, der im Halbfinale gegen Ghana (4:3 n.E.) zum Helden wurde. Mit seinem Treffer zum 1:1 schoss er "Les Étalons", die Hengste, in die Verlängerung, im Elfmeterschießen verwandelte er in lässigster Manier. "Vor dem Spiel haben mir meine Freunde gesagt, dass dies mein Tag werden würde", sagt Bancé und wirkt dabei, als habe er seine Bestimmung und seine Rolle endlich gefunden.

Der Held mit Ladehemmung

Der exzentrische Angreifer mit den blonden Locken war in seinem Leben lange jemand, der vergeblich nach einer Heimat suchte. Geboren in Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, flüchtete er vor dem Bürgerkrieg ins Nachbarland. Im Nationalteam musste er um seine Akzeptanz kämpfen. Fußballerisch wurde Bancé zum Nomaden: Als Teenager startete in Belgien durch, danach führte die Reise durch die Ukraine, Deutschland, die Emirate, Katar, die Türkei.

Derzeit stürmt der 28-Jährige für Augsburg - wenig erfolgreich: 15 Spiele, zwei über 90 Minuten, kein Tor. Der Afrika-Cup unter der Leitung des belgischen Trainers Paul Put ist fast eine Therapie. "Das hier gibt so viel Selbstvertrauen."

Eine Chance für Pitroipa

Schon das Überstehen der Gruppenphase war nicht unbedingt zu erwarten. Mit dem 0:0 im dritten Spiel warf Burkina Faso Titelverteidiger Sambia aus dem Turnier. Beim verdienten 1:1 im ersten Vergleich mit Nigeria hatte man schon für Erstaunen gesorgt. Der Einzug ins Endspiel ist das mit Abstand beste Abschneiden des Weltranglisen-92. bei einem großen Turnier. Vor 15 Jahren stand das Land im Halbfinale des Afrika Cups, damals verlor man zu Hause 0:2 gegen Ägypten und belegte schließlich den vierten Platz. "Als wir ins Turnier gestartet sind, hat unser Trainer als einziger an uns geglaubt", sagt Kapitän Charles Kabore.

Auch Mittelfeldspieler Jonathan Pitroipa (Stade Rennes) wird im Finale mit dabei sein. Issa Hayatou, Präsident des afrikanischen Fußballverbands CAF, erklärte öffentlich, dass sein Ausschluss im Halbfinale durch Schiedsrichter Slim Jedidi "ein Irrtum" gewesen sei. Jedidi hatte Pitroipa, einen der auffälligsten Spieler im bisherigen Turnierverlauf in der 117. Minute für eine vermeintliche Schwalbe im Strafraum die zweite gelbe Karte gezeigt und des Feldes verwiesen. Die Disziplinar-Kommission der CAF hat sich am Freitag mit Burkina Fasos Einspruch befasst und Pitroipa die Spielerlaubnis erteilt. 

Finalroutinier Nigeria

So groß die Erwartungshaltung im "Land der ehrenwerten Menschen" (ungefähre Übersetzung des Landesnamens) auch ist: Die Burkiner gehen als klarer Außenseiter in ihr erstes Finale bei kontinentalen Meisterschaften. Gegner Gegner Nigeria gehört - trotz einer Durststrecke im letzten Jahrzehnt - traditionell zu den besten Adressen im afrikanischen Fußball, beeindruckte im Viertelfinale beim 2:1 über Topfavorit Elfenbeinküste und im Halbfinale beim 4:1 gegen das aufstrebende Mali. Im siebenten Endspiel soll endlich der dritte Sieg her.

"Wir haben eine Menge Potenzial, entwickeln uns aber noch", sagt Trainer Stephen Keshi, der beim bislang letzten Titelgewinn 1994 Kapitän der Super Eagles war: "Es wäre toll, nach so vielen Jahren wieder eine Trophäe zu holen." Spielmacher John Obi Mikel forderte: "Wir müssen geduldig sein und unseren Spielstil durchziehen."

Vor allem wollen die Nigeraner für die darbende Heimat siegen - die ethnischen Konflikte zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden haben dem ölreichen Land schwer zugesetzt. (sid/rob - 8.2. 2013)

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    Wollen jetzt alles: Aristide Bancé und Burkina Fasos Trainer Paul Put.

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