Anwälte: Jugendliche wissen wenig über rechtliche Fragen

8. Februar 2013, 11:45
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Salzburger Rechtsanwaltskammer stand Maturanten für Rechtsfragen zur Verfügung

Salzburg - Maturanten sind "geradezu begierig" auf Informationen in Rechtsfragen. Diese erste Bilanz zog die Salzburger Rechtsanwaltskammer nach 30 sogenannten Anwaltstagen für Maturaklassen im ganzen Bundesland. Gleichzeitig waren die Anwälte, die sich daran beteiligt haben, aber auch erstaunt, wie gering das Wissen der Jugendlichen in rechtlichen Fragen ist. "Das Bewusstsein, dass das ganze Leben von Rechtsnormen geprägt ist, ist nicht vorhanden", resümierte Kammerpräsident Leopold Hirsch am Donnerstag bei einem Pressegespräch.

46 Anwälte sprachen mit Schülern

Erstmalig hat die Standesvertretung nach dem Vorbild aus der Steiermark im laufenden Schuljahr derartige Informationsveranstaltungen angeboten. Das Interesse der Schulen war groß, 30 AHS und BHS haben ihr Interesse bekundet und schon einen Anwaltstag abgehalten, weitere Anfragen seien inzwischen eingelangt. Aber auch das Interesse der Anwälte ist groß: 46 der 417 Salzburger Anwälte haben sich zur Verfügung gestellt, den Schülern zumindest einen halben Tag lang Rede und Antwort zu stehen.

Viel Interesse am Strafrecht

Schwerpunkte der Beratungen waren das erste Auto, die eigene Wohnung, aber auch Fragen zum Familienrecht (etwa der Unterschied zwischen Ehe und Lebensgemeinschaft) und zum Internet. Sehr überrascht waren die Anwälte über das starke Interesse am Strafrecht. "Viele haben Erfahrungen mit Körperverletzungen - sei es als Täter oder als Opfer. Aber auch Themen wie Notwehr, Vermögensdelikte oder Suchtmittel wurden häufig angesprochen", berichtete Anwältin Sonja Schröder.

Internet soll ausfühlicher behandelt werden

Nach dem ersten Durchgang ist für die Kammer klar, dass die vorbereitete einheitliche Präsentation modifiziert wird. So soll etwa das Strafrecht schon dabei angesprochen werden, kündigte Vizepräsident Wolfgang Kleibel an. Auch das Thema Internet soll ausführlicher behandelt werden. "Dass Bewusstsein, dass ich mit einem Mausklick einen Kaufvertrag abschließe, ist nicht vorhanden", so Anwalt Robert Bukovc. "Das Problem mit verdeckten Identitäten in Chatrooms, oder was mache ich, wenn ich ein Schreiben eines zypriotischen Anwaltes mit einer Zahlungsaufforderung über 120 Euro erhalte", nannte er weitere Fragen.

Durchaus gezeigt wird auch Neugier am Anwaltsberuf selbst. Das reicht vom Honorar über den Arbeitsalltag bis hin zur Frage, wie es einem geht, wenn man einen Verbrecher vertritt. Glaubt man Präsident Hirsch, dann bieten die Advokaten die Beratung an den Schulen völlig ohne Eigennutz an. Es störe ihn aber nicht, wenn es dem Image des Standes guttut und zu einer "positiven Verstärkung des ohnedies positiven Berufsbildes" führt. (APA, 8.2.2013)

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