EZB greift nur verbal in Währungskrieg ein

7. Februar 2013, 18:22
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Ökonomen warnen vor Gegenwind für die Konjunktur durch stärkeren Eurokurs

Frankfurt/Wien - Gerade erst hat sich der Sturm am europäischen Kapitalmarkt gelegt, und die Zinsen auf Staatsanleihen hoch verschuldeter Staaten sind gefallen, da warnen Ökonomen bereits vor neuem Gegenwind für die schwache Wirtschaft: durch den Eurokurs. Im Vergleich zu den Währungen wichtiger Handelspartner, von den USA über Großbritannien bis Japan, hat der Euro massiv an Wert zugelegt. In den vergangenen drei Monaten ist der Euro 25 Prozent gegen den japanischen Yen gestiegen, acht Prozent gegen das britische Pfund und sechs Prozent gegen den US-Dollar.

"Das bedeutet deutlichen Gegenwind für die Konjunktur und wird das Wachstum dieses Jahr dämpfen", warnt Dario Perkins, Ökonom des britischen Analyseunternehmens Lombard Street Research. Ein hoher Eurokurs macht die Exporte teurer und weniger wettbewerbsfähig.

Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), bestätigte nach der Zinssitzung am Donnerstag nur, dass der hohe Eurokurs von knapp 1,35 gegen den US-Dollar "ein Risiko für den Inflationsausblick darstellt". Denn ein hoher Euro könnte die Importpreise senken und damit die Inflationsrate unter die Zielmarke von zwei Prozent drücken.

Kein Eingreifen

Doch die EZB wird nicht aktiv in die Währungsmärkte eingreifen, machte Draghi am Donnerstag klar. Für ihn ist die Eurostärke ein "Zeichen des Vertrauens". Weil die Investoren nicht mehr an einen Zerfall der Eurozone glauben, würde wieder Kapital in die Eurozone fließen und damit die Währung verteuern.

Damit werden die Frankfurter Notenbanker nicht an dem weltweiten " Währungskrieg" teilnehmen. Damit bezeichnen Ökonomen und Analysten den Abwärtstrend von Währungen, die durch expansive Geldpolitik von Zentralbanken sukzessive geschwächt werden. Zuletzt hat die japanische Zentralbank BoJ unter dem Druck der Politik ein massives Anleihen-Ankaufprogramm angekündigt, um den Yen zu schwächen. Ministerpräsident Shinzo Abe erhofft sich damit die Überwindung der bereits zwei Jahrzehnte andauernden Deflation, die von fallenden Preisen und kaum Wirtschaftswachstum gekennzeichnet ist.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande ist ein Währungskrieger. Die jüngste Aufwertung des Euro mache die Anstrengungen der Krisenländer " zunichte", warnte er am Mittwoch, die EZB solle daher eine aktive Währungspolitik verfolgen.

Tatsächlich ist die EZB an der jüngsten Eurostärke nicht unschuldig, meint etwa Jacob Funk Kirkegaard, Ökonom am Peterson Institute in Washington. Bereits jetzt würde die Politik der Zentralbanken die Währungskurse massiv beeinflussen. "Die Geldpolitik in Europa ist relativ straff. Die Leitzinsen von 0,75 Prozent sind im internationalen Vergleich recht hoch." In den USA, Großbritannien und Japan sind sie niedriger. Doch bei der Zinssitzung am Donnerstag wurden die Zinsen nicht angerührt, und die meisten Analysten rechnen erst bei einer Verschärfung der Konjunkturlage mit einer Zinssenkung.

Dazu haben Europas Banken zuletzt knapp 137 Milliarden Euro an langfristigen Finanzierungslinien (LTRO) der EZB zurückgefahren. Damit schrumpft die Bilanzsumme der EZB, während sie in den kommenden Jahren in den USA dank milliardenschwerer Anleihenkäufen weiter steigt.

Bremsspuren durch Euro

"Die EZB ist in der Pflicht," meint etwa Hans Redeker, der Leiter der Abteilung für Währungsstrategien von Morgan Stanley. "Sie tut genau das Konträre der US-Notenbank oder der Japaner. Durch die Rückzahlung der LTROs reduziert sie die Euros im Umlauf. Damit werden wieder Spannungen nach Europa hineingetragen."

Denn besonders für die schwachen Volkswirtschaften ist der hohe Euro eine deutliche Hürde. "Ein hoher Eurokurs ist kein Problem für Deutschland, er ist aber ein massives Problem für Spanien oder Portugal" , warnt Perkins. Ein hoher Euro verteuert die Güter einer Volkswirtschaft für den Export zusätzlich. Um das zu kompensieren, müssten schmerzhafte Lohnsenkungen und Strukturreformen folgen. "Damit werden die deflationären Tendenzen noch verstärkt", so Perkins.

Der Ausweg für Redeker ist klar. Die EZB sollte wie auch die übrigen Zentralbanken der Industrienationen in großen Mengen Staatsanleihen kaufen, um die Geldpolitik zu lockern und damit den Euro drücken: "Der Euro sollte in den kommenden zwei Jahren auf 1,05 gegen den Dollar fallen", sagt Redeker. "Dies würde helfen, die Spannungen in der Eurozone zu reduzieren, denn die Bremsspuren der Euro-Überbewertung machen sich in Spanien oder Italien bemerkbar."

 (Lukas Sustala, DER STANDARD, 8.2.2013)

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