Kein Drehen am Eurokurs

Kommentar7. Februar 2013, 18:17
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Dort, wo Währungen gekoppelt werden, führt es zu Problemen

Kaum hat sich die europäische Schuldenkrise etwas entspannt, haben Investoren wieder Vertrauen in den Euro gewonnen, taucht eine neue Gefahr am Horizont auf: Der jüngste Anstieg der Gemeinschaftswährung erschwere die Exporte und gefährde die ohnehin fragile Konjunktur, warnt Frankreichs Staatspräsident François Hollande.

Nun ist es richtig, dass rezessionsgefährdete Länder von einer Abwertung ihrer Währung meist profitieren. Dennoch ist Hollandes Vorstoß, der bei vielen in Europa auf Sympathie stößt, falsch und gefährlich. Erstens ist die Eurozone nicht die einzige Weltregion mit Wachstumsproblemen. Auch die USA, Großbritannien und Japan leiden unter schwacher Konjunktur. Sie alle würden gerne durch eine Abwertung die Exporte ankurbeln. Doch die ganze Welt kann nicht gleichzeitig abwerten.

Ein globales Ringen um möglichst schwache Währungen bringt niemandem etwas und führt nur zu Missstimmung und potenziellen Handelskonflikten. Ein "Währungskrieg" zwischen Japan und den USA ist bereits im Gang. Hollandes Rede ist ein Aufruf, sich aktiv an diesem Irrsinn zu beteiligen.

Zweitens erwirtschaftet die Eurozone einen leichten Überschuss in ihrer Leistungsbilanz mit dem Rest der Welt, mit den USA sogar einen deutlichen. Der Euro ist daher sicher nicht überbewertet, sondern gerade im Vergleich zum Dollar ein wenig unterbewertet. Die Konjunkturschwäche in Europa ist Folge der Sparpolitik und einer zu geringen Binnennachfrage, nicht einer Krise der Exportwirtschaft.

Drittens bringt eine Abwertung dem Exportsektor immer nur einen kurzfristigen Schub. Deutschland hat immer auf eine starke Währung gesetzt und ist dennoch - oder gerade deshalb - Exportnation Nummer eins. Auch Österreichs Exporteure haben nie auf Währungsvorteile, sondern stets auf höhere Qualität gesetzt. Wenn Frankreich in der Wettbewerbsfähigkeit mit Deutschland gleichziehen will, darf es nicht auf eine schwächere Währung schielen.

Und schließlich ist völlig unklar, wie man zu einem niedrigeren Eurokurs gelangen will. Die Europäische Zentralbank wird nichts dazu beitragen. Und Hollandes Ruf nach einem neuen internationalen Wechselkursregime, das größere Schwankungen vermeidet, ist völlig realitätsfern. Das Bretton-Woods-System, das alle Währungen an den Dollar koppelte, ist vor 40 Jahren aus gutem Grund zusammengebrochen und lässt sich nicht wiederherstellen - außer die USA, die Eurozone und Japan verzichten auf eigenständige Geldpolitik.

Dort, wo Währungen gekoppelt werden, führt es zu Problemen: Chinas Politik der Unterbewertung seiner Währung ist nicht nur ein internationaler Stein des Anstoßes, sondern auch eine der Ursachen jener globalen Ungleichgewichte, die die Finanzkrise erst möglich gemacht haben.

Ein stärkerer Euro bringt Vor- und Nachteile, ebenso ein schwächerer. Mit beidem kann die Eurozone gut leben, wenn sie ihre sonstigen Hausaufgaben macht. Jeder Versuch, am Wechselkurs zu drehen, lenkt davon bloß ab. (Eric Frey, DER STANDARD, 8.2.2013)

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