56 Millionen Euro für Fehler im Spital

7. Februar 2013, 18:45
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Behandlungsfehler in Spitälern sind selten, aber schwerwiegend - Seit 2002 erhielten Patienten 56 Millionen Euro

Wien - Die Wahrscheinlichkeit, in einem heimischen Krankenhaus falsch behandelt oder Opfer eines ärztlichen Kunstfehlers zu werden ist gering. In den elf Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes beispielsweise werden jährlich 400.000 Patienten stationär und 3,5 Millionen ambulant behandelt. Nur jeder 433. davon bringt laut Statistik eine Beschwerde bei der Pflege- und Patientenanwaltschaft vor. Mehr als die Hälfte davon betrifft lange Wartezeiten und Kostenfragen.

Der Rest sind allerdings schwerwiegende Fehler im Krankenhausbetrieb wie etwa im Magen vergessene Sonden, übersehene Frakturen, mangelhafte Implantationen mit anschließenden schweren Infektionen oder Operationen ohne Einverständnis von Patienten. In den vergangenen zehn Jahren haben die Bundesländer-Entschädigungsfonds rund 56 Millionen Euro nach schiefgegangenen Aufenthalten in öffentlichen Spitälern ausgezahlt.

Zahlung bei Beweisschwierigkeiten

Die auf Bundesländerebene eingerichteten Fonds, die aus dem Patienten-Selbstbehalt mit 0,73 Euro pro Spitalstag finanziert werden, greifen laut dem niederösterreichischen Patientenanwalt Gerald Bachinger in zwei Problemfällen ein: erstens, wenn lege artis behandelt wurde und trotzdem ein schwerwiegender Schaden entstanden ist - somit keine eindeutige Haftung gegeben ist.

Im zweiten Fall können die Fonds Geld zahlen, wenn es bei eindeutig entstandenem Schaden für einen Patienten Beweisschwierigkeiten gibt. Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Patienten nicht schon selbst Entschädigung aus etwaigen Zivilprozessen gegen das Krankenhaus erhalten haben. Patientenanwaltschaften vertreten Kläger nicht vor Gericht, können aber bei rechtzeitiger Konsultation langwierige Prozesse verhindern.

1000 relevante Fälle bei Patientenanwaltschaft

"Pro Jahr werden an die Patientenanwaltschaften in Österreich rund 1000 relevante Fälle herangetragen. 80 bis 85 Prozent davon bekommen Geld", sagte Bachinger, der auch als Sprecher aller Patientenanwaltschaften fungiert, am Donnerstag. Im Durchschnitt sind es 8000 bis 9000 Euro. Als Höchstbetrag sind pro Fall derzeit 22.000 Euro vorgesehen, in Ausnahmefällen bis zu 50.000 Euro.

Bachinger forderte im Namen der Kollegenschaft eine Ausdehnung der Fonds-Leistungen auf Problemfälle aus dem niedergelassenen Bereich sowie bundesweite Regelungen und damit auch eine Bundes-Dotierung. (APA/simo, DER STANDARD, 7.2.2013)

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    Diese Röntgenaufnahme mit OP-Klemme ist gestellt. Kleinere Dinge wie etwa Sonden werden aber gelegentlich nach Operationen in Patienten vergessen.

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