"Stahlschuhe" für den ORF, aber "alle Optionen offen"

7. Februar 2013, 16:59
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ORF-General Alexander Wrabetz beschwichtigt intern: Ja, auf dem Küniglberg wurde Asbest gefunden. Doch "für Mitarbeiter besteht keine Gesundheitsgefährdung". Die Machbarkeitsstudie über einen neuen Newsroom könnte St. Marx wieder in die Standortdebatte bringen

Wien - Da reagierte der ORF-General rasch: Vorige Woche protestierte Betriebsratschef Gerhard Moser, dass Berater Bert Müller und Projektleiter Albert Malli den ORF-Stiftungsräten ein Raumkonzept für den ORF neu präsentierten - ohne die Belegschaft informiert oder gefragt zu haben. Gleich Anfang dieser Woche kündigte General Alexander Wrabetz den tausenden ORF-Mitarbeitern: Infoveranstaltungen im Februar zum "Medienstandort ORF" an.

Österreich berichtete auch diesmal pünktlich zum Stiftungsrat über Asbestfunde bei der Sanierung des baufälligen ORF-Zentrums auf dem Küniglberg. Wrabetz beschwichtigt, Asbest sei nun zudem in zwei "Technikräumen" gefunden worden, die nur selten und von "unterwiesenem Fachpersonal" betreten würden. Es bestehe "für die Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter keine Gesundheitsgefährdung".

Schuh fixiert Deckenplatten

Über den Stand der Sanierung schreibt Wrabetz: "Derzeit werden Stahlschuhe eingebaut, damit die Deckenplatten stabil aufliegen und diese untereinander wieder fest verbunden sind." Träger würden derzeit "lärmintensiv" freigelegt. Nachsatz: "Die statische Sanierung, die derzeit durchgeführt wird, lässt jedenfalls alle Ausbauoptionen offen."

Ob der geplante Newsroom für Online, Radio und TV sich auf dem Küniglberg ausgeht und wie, soll nun eine Machbarkeitsstudie bis Frühsommer klären. Bejaht sie die Möglichkeit auf dem Hietzinger Hügel, folgt laut Planung ein Architektenwettbewerb. Verneint sie den nötigen Platz für ein Newscenter mit potenziell einigen hundert Mitarbeitern, könnte wieder St. Marx ins Spiel kommen.

Im September 2012 schon haben sich ORF-Management und Stiftungsrat auf Küniglberg beziehungsweise Küniglberg und Funkhaus fokussiert; für St. Marx fand sich im Rat keine Mehrheit. Dieser von der Wiener Stadtregierung gewünschte Standort wurde damit ad acta gelegt - auf den ersten Blick. ORF-General Wrabetz hat die Option auf das Grundstück an der Südosttangente wie berichtet bis Jahresende - und nun kostenlos - verlängert.

Wenn der den Sozialdemokraten zugerechnete ORF-General heute im Stiftungsrat keine Mehrheit für das Wiener rote Wunschprojekt St. Marx findet, dann womöglich im nächsten ORF-Gremium: Die Funktionsperiode endet im März 2014. Werner Muhm, Arbeiterkammerdirektor, enger Berater von Kanzler Werner Faymann und rote Schlüsselfigur im ORF-Stiftungsrat, äußerte in ORF-Ausschüssen freilich schon Zweifel an St. Marx.

Der "Medienstandort ORF", von dem Wrabetz den Mitarbeitern schreibt, erinnert zumindest sprachlich an das "Media Quarter", wie Wien St. Marx nennt. (Harald Fidler, DER STANDARD, 8.2.2013)

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    Das ORF-Zentrum auf dem Küniglberg.

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