Die Super-Kombi hat ein großes Imageproblem

7. Februar 2013, 16:15
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Maze bei der unpopulären Disziplin Topfavoritin. Titelverteidigerin Fenninger ebenfalls mit Medaillenchancen. Schröcksnadel: "Das ist ja nicht anzuschauen"

Schladming - Man kann es positiv sehen. Eine Skifahrerin ist dann komplett, wenn sie Speed und Schwung, also Abfahrt und Slalom, gleichermaßen beherrscht. Insofern darf sich auch Weltmeisterin nennen, wer die Kombination beider Disziplinen siegreich einer Erledigung zuführt. "Da haben wir die größte Chance, Medaillen zu gewinnen", sagte Damen-Cheftrainer Herbert Mandl vor der Super-Kombination am Freitag (10 und 14 Uhr, jeweils ORF 1). Kathrin Zettel gewann den WM-Bewerb 2009, Anna Fenninger ist Titelverteidigerin. Neben den beiden haben auch Nicole Hosp, Michaela Kirchgasser und Elisabeth Görgl realistische Chancen auf einen Podestplatz. Topfavoritin ist freilich Super-G-Weltmeisterin Tina Maze aus Slowenien. "Da brauchen wir uns keinen Illusionen hingeben", sagte Görgl.

WM-Titel zweiten Grades

Man kann es negativ sehen. Ein Triumph in der Super-Kombi ist, nun ja, minderwertig, nicht nachhaltig, ein WM-Titel zweiten Grades, nichts wert. Daran trägt die Vermarktung des Weltverbandes FIS Hauptschuld, der dem Bewerb genau keine Wertigkeit einräumt. Ein Weltcup-Event bei den Damen gab es in der bisherigen Saison, damit wurde in diesem Winter schon die Hälfte der Rennen in dieser Disziplin abgehalten.

"Der Super-Kombi hat man nie eine Stellung eingeräumt", sagt Mandl dem STANDARD. "Im Weltcup gibt es eindeutig zu wenig Rennen." Auch Hosp findet es schade, dass dem Bewerb so wenig Beachtung geschenkt wird. "Er kommt auch bei den Zuschauern nicht so gut an." An eine Abschaffung des ungeliebten Bewerbes wird allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht gedacht: Die FIS will mit dem Bewerb nicht aus dem Programm der Olympischen Spiele fliegen. Als Existenzberechtigung reichen exakt zwei Super-Kombinationen pro Saison im Weltcup aus.

Schon vor 31 Jahren wurde bei der WM in Schladming die Kombination hinterfragt. Damals versuchte man den Traditionsbewerb, der 1936 zum ersten Mal olympisch war und nach einer Pause zwischen 1952 und 1984 wieder olympisch ist, erstmals mit einem kürzeren Abfahrtslauf und zwei verkürzten Slalomläufen attraktiver zu gestalten. 2005 musste erneut reformiert werden, bei der Super-Kombination wird nur noch ein Slalomlauf ausgetragen. Die einzige "klassische" Kombination gibt es bei den Herren in Kitzbühel, sie soll ab nächster Saison in eine Super-Kombination umgewandelt werden. Dagegen sträubt sich ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel aber vehement.

Da schlecht, dort schlecht

Der ÖSV-Chef outete sich nicht als Fan der Super-Kombi. "Der Event ist nicht schön. Das ist nicht anzuschauen", sagte er. "Wir sehen die Abfahrer einen schlechten Slalom fahren und die Slalomfahrer eine schlechte Abfahrt." Trotz des großen Imageproblems bleibt der Bewerb vorläufig erhalten. Nur ein Event - man kann es positiv oder negativ sehen - wird noch weniger vermarktet oder noch geringer geschätzt: Der WM-Teambewerb am Dienstag. (David Krutzler, DER STANDARD, 8.2.2013)

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    Präsidentenmeinung: "Wir sehen die Abfahrer einen schlechten Slalom fahren und die Slalomfahrer eine schlechte Abfahrt."

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    Als Titelverteidigerin geht Anna Fenninger an den Start.

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