Induzierte Stammzellen als Modell für Krankheiten

7. Februar 2013, 19:05
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"Dolly"-Pionier Colman und sein Team erforschen Rett-Syndrom

Wien/Singapur - Seit einigen Jahren ist ein Verfahren verfügbar, mit dem ausdifferenzierte "adulte" Zellen in sogenannte  induzierte pluripotente Stammzellen zurück verwandelt werden können. Alan Colman, der mit seinem Klonschaf "Dolly"-Pionierarbeit geleistet hat, und sein Forschungsteam am Astar Institute of Medical Biology in Singapur verwenden solchen Zellen, um das bisher unheilbare Rett-Syndrom - es bricht nur bei Mädchen aus - zu untersuchen. Teile der Forschungsarbeit stellte Colman Mittwochabend am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien dar.

"Wir versuchen durch unsere Arbeiten mit induzierten pluripotenten Stammzellen vor allem, Mechanismen zu erforschen, die für Krankheiten verantwortlich sind, die sehr früh auftreten. Wir wollen eventuell zur Möglichkeit einer früheren Diagnose kommen - bevor irreparable Schäden aufgetreten sind. (...) Es geht dabei um ziemlich bösartige Erkrankungen", sagte Colman.

Eine davon ist das Rett Syndrom. An ihm erkranken ausschließlich Mädchen. Durch eine Mutation am MeCP2-Gen am X-Chromosom kommt es bei den Betroffenen zu einer Schädigung der Neuronen im Gehirn mit geistiger und motorischer Behinderung. Benannt ist die Krankheit nach ihrem Entdecker, dem Wiener Neurologen Andreas Rett.

Bei bis zu 300 genetischen Erkrankungen anwendbar

Durch die Arbeiten an den künstlich aus Bindegewebszellen (Fibroblasten) hergestellten Stammzellen wollen die Wissenschafter auf Modellbasis die Krankheitsentstehung entschlüsseln. Colman: "Man könnte die Technik bei rund 200 bis 300 genetisch bedingten Erkrankungen anwenden, zum Beispiel bei sogenannten Speicherkrankheiten (Krankheiten, auf die mangelnde oder die zu starke Speicherung von Spurenelementen etc. beruhen, Anm.). Wir arbeiten zum Beispiel auch auf dem Gebiet der 'Danon'-Krankheit." Dabei handelt es sich um eine seltene Form fortschreitender Herzmuskelschwäche.

Colman hält sich derzeit in Österreich ziemlich exakt zehn Jahre nach der Einschläferung des Klon-Schafs "Dolly" am 14. Februar 2003 auf. 1996 war es das erste aus einer ausdifferenzierten Zelle geklonte Säugetier gewesen. Die Frage, ob ihn "Dolly" noch immer "verfolge", beantwortete der britische Wissenschafter so: "Nein. Es war schön, an diesen Arbeiten beteiligt gewesen zu sein." Die spätere hitzige Debatte über das Klonen von Menschen sei wohl ziemlich übertrieben gewesen. (APA/red, derStandard.at, 07.02.2013)

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