Magnetische Landkarte führt Rotlachse in die Heimat

9. Februar 2013, 22:45
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US-Forscher analysierten Verhalten der Lachse - Neben der Stärke des Erdmagnetfelds spielt auch die Wassertemperatur eine Rolle

Washington/Vancouver - Rotlachse bedienen sich offenbar einer Art magnetischer Landkarte, um zum Laichen in ihre Heimat zurück zu finden. Das berichten Biologen aus den USA und Kanada in der Fachzeitschrift "Current Biology". Die Wissenschafter hatten die Heimweg-Routen der Fische aus fast 60 Jahren analysiert und diese Daten mit dem magnetischen Feld an verschiedenen Küstengebieten verglichen. Rotlachse sind besonders wichtig für die Fisch-Industrie.

Das Team um Nathan Putman von der Oregon State University in den USA untersuchte Rotlachse (Oncorhynchus nerka) aus dem Fraser-Fluss in der kanadischen Provinz British Columbia. Diese Fische schwimmen mitunter bis zum Golf von Alaska, der fast 2.000 Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt ist. Für ihre Reise benötigen sie oft bis zu drei Jahre.

Zwei Wege stehen offen

Wenn die Rotlachse nach zwei Jahren geschlechtsreif sind und zum Laichen zu ihrer Geburtsstätte zurück schwimmen, dann gibt es ein Problem: Vor der Fraser-Flussmündung liegt Vancouver Island, eine Insel, die etwa 450 Kilometer lang und rund 100 Kilometer breit ist. Die Fische müssten Putman zufolge entscheiden: "Benutzen sie für ihren Umweg den nördlichen Zugang durch die Königin-Charlotte-Straße oder den südlichen Zugang durch die Straße von Juan de Fuca?"

Also analysierten die Biologen die Jahresberichte der Pacific Salmon Commission von 1953 bis 2008. So fanden sie heraus, wie viele Rotlachse die Nordroute passiert hatten. Daraus berechneten sie, wie viele Tiere die andere Route nahmen. Außerdem bestimmten die Forscher für die Untersuchungsjahre das Erdmagnetfeld an drei Orten: an der Fraser-Flussmündung sowie an den Stellen, wo die Königin-Charlotte-Straße und die Straße von Juan de Fuca in den Pazifik übergehen.

Das Ergebnis: Je weniger sich die Stärke des Magnetfelds an der Flussmündung von jener an der Königin-Charlotte-Straße unterschied, desto beliebter war der Nordrouten-Umweg. Umgekehrt bevorzugten die Rotlachse die Südroute durch die Straße von Juan de Foca, wenn das Magnetfeld im Süden von Vancouver Island ähnlich stark war wie an der Flussmündung. Die Unterschiede in der Stärke kämen zustande, weil das Erdmagnetfeld nicht konstant ist, sondern sich mit der Zeit ändert. Geo-Wissenschafter nennen dieses Phänomen Säkular-Variation.

Wassertemperatur spielt eine Rolle

Außerdem stellten die Biologen fest: In den Jahren, in denen das Wasser an der Oberfläche wärmer war als sonst, nutzten mehr Rotlachse die Nord-Passage als erwartet. Die Forscher vermuten: Die Magnetfeld-Stärke ist verantwortlich für die größeren Trends über mehrere Jahrzehnte, während die Wasseroberflächen-Temperatur eher von Jahr zu Jahr die Wahl beeinflusst. Beide Faktoren zusammen erklärten zu zwei Dritteln, wie sich die heimkehrenden Rotlachse auf die Nord- und die Südroute aufteilen. Die Experten wissen aber noch nicht, wie die magnetische Karte in den Lachsen aufgebaut ist. (APA/red, derStandard.at, 09.02.2013)

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    Rotlachse auf dem Rückweg zu ihrer Geburtsstätte. Zur Orientierung greifen die Fische auf eine Art magnetische Landkarte zurück.

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