Zwischen ganz gut und grottenschlecht

8. Februar 2013, 11:58
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Österreichs Fußballteam hat beim 1:2 in Wales die Auswärtsschwäche bestätigt. Die Analyse fiel durchaus selbstkritisch aus, Teamchef Marcel Koller lehnte es ab, frustriert zu sein. Der Stamm bleibt unverändert, die Hoffnung auf Kaltschnäuzigkeit ist ungebrochen

Wien/Swansea - Schön langsam scheint das österreichische Fußballteam an alte Untugenden anzuknüpfen, in vergessen geglaubte Muster zu fallen. Bei passenden wie unpassenden Gelegenheiten betonen die Spieler, wie gut, talentiert und harmonisch die Truppe doch sei, das Problem sei nur die fehlende Kaltschnäuzigkeit, die Entschlossenheit vorm Tor. Dummerweise kommt es in diesem Sport genau darauf an.

Nach dem 1:2 am Mittwochabend in Swansea gegen Gareth Bale und Wales (Nummer 81 der Rangliste) herrschte eine innere Einkehr, die sogar nach außen getragen wurde. Marko Arnautovic formulierte messerscharf: " Eigentlich sollten wir schon einmal gewinnen. Wir tun so, als wären wir gut. Vielleicht sollten wir sagen, dass wir grottenschlecht sind. Möglicherweise hilft das." Torschütze Marc Janko fand die kollektive Leistung "irgendwie schwammig", Sebastian Prödl beklagte das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit. "Es genügt nicht, das wir eine gute Truppe sind." David Alaba wurde in seinen vor der Partie geäußerten Ansichten bestätigt, dabei zählt er nicht zu diesen rechthaberischen, altklugen Typen. "Jeder von uns muss deutlich zulegen." Sprach eine Stammkraft von Bayern München.

Die Kleinigkeiten

Teamchef Marcel Koller lehnte es strikt ab, ratlos und frustriert zu sein. "Ein Trainer muss immer zuversichtlich sein." Egal, wo er arbeitet, da ist der Unterschied zwischen Barcelona und Böheimkirchen oder Andorra und Argentinien marginal. Immerhin sei die Leistung besser als beim 0:3 gegen Cote d'Ivoire gewesen, man habe versucht, auswärts zu pressen. Das habe phasenweise funktioniert, phasenweise nicht. "Es schaut so aus, als würden Kleinigkeiten momentan gegen uns sein." Ob nicht ganz einfach die Klasse fehlt? Koller wich aus: "Bale ist Weltklasse." Allerdings läuft der in der Premier League auch anderen Kalibern davon, insofern gehören Markus Suttner, Prödl und Emanuel Pogatetz der leidenden Mehrheit an. In Wahrheit geht es nicht um Bale. Den hat der liebe Gott beschenkt, na und, Neid bringt keinen ÖFB-Kicker weiter. Koller: "Es ging darum zu verhindern, dass Bale den Ball bekommt. Das gelang nicht."

Der unveränderte Stamm

Die Viererkette war ein Jammer, SIE wurde aber auch von den anderen Formationen mäßig unterstützt. Pressing macht nur Sinn, wenn dadurch keine Löcher und Räume entstehen. Swansea war eine leichte Themenverfehlung. Florian Klein, Prödl, Pogatetz und Suttner haben praktisch keine Spielpraxis. Klein (Salzburg) und Suttner (Austria) können nichts dafür, die österreichische Liga fängt erst am 16. Februar an. Koller, der das Reservistensein prinzipiell nicht als Desaster ansieht, relativierte nun: "Man merkte es schon." Trotzdem seien regelmäßige Einsätze nicht die Bedingung für eine Einberufung. "Wir sind Österreich und können nicht davon ausgehen, dass alle Legionäre immer spielen. Jeder muss sich selbst in die Pflicht nehmen, muss vor der eigenen Tür kehren." Der Stamm bleibe unverändert. "Die Leute, denen ich vertraue, haben einen Wissensstand, kennen die Ideen. Die Umsetzung müssen wir permanent üben."

Wales ist nur ein Test gewesen. Die Auswärtsschwäche ist ein sturer Hund, seit 2006 wurde nur in Liechtenstein und Aserbaidschan triumphiert. Jetzt geht es ans Eingemachte. Zweimal WM-Qualifikation, am 22. März in Wien gegen die Färöer, vier Tage später in Dublin gegen Irland. Ob die Färinger zum Einschießen für die Iren dienen? Koller: " Das ist der falsche Ansatz. Man muss über jeden Sieg froh sein." (Christian Hackl, DER STANDARD, 08.02.2013)

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    "Bale ist Weltklasse"

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