Sinnloses Drehen am Eurokurs

Blog7. Februar 2013, 13:51
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Hollandes jüngster Aufruf zu einer Währungsabwertung ist unbegründet und gefährlich

Kaum hat sich die europäische Schuldenkrise etwas entspannt und haben Investoren wieder Vertrauen in den Euro gewonnen, taucht eine neue Gefahr für die Eurozone am Horizont auf:  Der jüngste Anstieg der Gemeinschaftswährung erschwere die Exporte und gefährde die ohnehin fragile Konjunktur, warnte etwa Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande Anfang der Woche im EU-Parlament.

Nun ist es richtig, dass rezessionsgefährdete Länder von einer Abwertung ihrer Währung meist profitieren. Dennoch ist Hollandes Vorstoß, der bei vielen in Europa auf Sympathie stößt, falsch und gefährlich.

Erstens ist die Eurozone nicht die einzige Weltregion mit Wachstumsproblemen. Auch die USA, Großbritannien und Japan leiden unter einer schwachen Konjunktur. Sie alle würden gerne durch eine Abwertung ihrer Währung die Exporte ankurbeln. Doch die ganze Welt kann nicht gleichzeitig abwerten. Wenn der Kurs einer Währung fällt, muss jener aller anderen steigen.

Ein globales Ringen um möglichst schwache Währungen bringt am Ende niemandem etwas und führt nur zu Missstimmung und potenziellen Handelskonflikten. Solche "Währungskriege" sind bereits im Gang, etwa zwischen Japan und den USA. Hollandes Rede ist ein Aufruf, sich aktiv an diesem Irrsinn zu beteiligen.

Zweitens erwirtschaftet die Eurozone derzeit einen leichten Überschuss in ihrer Leistungsbilanz mit dem Rest der Welt, und mit den USA sogar einen deutlichen. Der Euro ist daher sicher nicht überbewertet, sondern gerade im Vergleich zum Dollar ein wenig unterbewertet. Die Konjunkturschwäche in Europa ist Folge der Sparpolitik und einer zu geringen Binnennachfrage und nicht einer Krise der Exportwirtschaft.

Drittens bringt eine Abwertung dem Exportsektor immer nur einen kurzfristigen Schub. Deutschland hat seit Jahrzehnten immer auf eine starke Währung gesetzt und es dennoch - oder gerade deshalb - zur Exportnation Nummer eins geworden. Auch Österreichs Exporteure  haben nie auf Währungsvorteile, sondern immer auf höhere Qualität gesetzt. Wenn Frankreich in der Wettbewerbsfähigkeit tatsächlich mit Deutschland gleichziehen will, dann darf es nicht auf eine schwächere Währung schielen.

Und schließlich ist es völlig unklar, wie man zu einem niedrigeren Eurokurs gelangen will. Die Europäische Zentralbank wird nichts dazu beitragen, denn sie lehnt alle Wechselkursziele ab. Und Hollandes Ruf nach einem neuen internationalen Wechselkursregime, das größere Schwankungen vermeidet, ist völlig realitätsfern.

Was immer in den Finanzmärkten in den vergangenen Jahren falsch gelaufen ist, die flexiblen Wechselkurse trugen daran am wenigsten Schuld. Das Bretton-Woods-System, das in der Nachkriegszeit alle Währungen an den Dollar koppelte, ist vor 40 Jahren aus gutem Grund zusammengebrochen und lässt sich nicht wieder herstellen - außer die USA, die Eurozone und Japan verzichten auf eine eigenständige Geldpolitik.

Dort, wo Währungen gekoppelt werden, führt es zu Problemen: Chinas Politik der Unterbewertung seiner Währung ist nicht nur ein internationaler Stein des Anstoßes, sondern auch eine der Ursachen jener globalen Ungleichgewichte, die die Finanzkrise erst möglich gemacht haben.

Ein stärkerer Euro bringt Vor- und Nachteile, ebenso ein schwächerer. Mit beidem kann die Eurozone gut leben, wenn sie ihre sonstigen Hausaufgaben macht. Jeder Versuch, am  Wechselkurs zu drehen, lenkt davon bloß ab. (Eric Frey, derStandard.at, 7.2.2013)

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