Österreicher erreichen selten höhere Bildung als Eltern

7. Februar 2013, 13:37
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Immobilität bei Bildung noch stärker als bei Einkommen - Kindergarten wirkt sich positiv auf Bildung und Einkommen aus

Wien - Die soziale Mobilität zwischen den Generationen ist in Österreich nur gering: Im Vergleich zu ihren Eltern erreichen die Kinder selten einen höheren bzw. niedrigeren Bildungsabschluss bzw. sozioökonomischen Status, wie eine Untersuchung unter der Leitung des Ökonomen Wilfried Altzinger (Wirtschaftsuniversität/WU) zeigt. In Sachen Bildung ist diese Immobilität sogar noch stärker ausgeprägt als bei der ökonomischen Situation, besonders stark ist sie bei Migranten.

Für die Studie verwendeten die Ökonomen Datensätze der EU-Haushaltserhebung SILC, mit der jährlich Informationen über die Lebensbedingungen der Privathaushalte in der Europäischen Union gesammelt werden, und analysierten den Zusammenhang von familiärer Herkunft, Bildung und Einkommen über zwei Generationen in Österreich. Die Auswertung erfolgte dabei hinsichtlich Geschlecht, Alter und Migrationshintergrund.

Hohe Immobilität bei Bildung

Wer in finanziell schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist, findet sich selbst deutlich häufiger in den unteren Einkommensklassen wieder - und umgekehrt: Wer aus einem gut situierten Elternhaus stammt, kommt auch selbst deutlich häufiger in die obersten Einkommensgruppen. So zeigte sich etwa, dass für ältere Männer (45 bis 59 Jahre) der Unterschied zwischen einer Herkunft aus "sehr schwierigen finanziellen Verhältnissen" zu einer Herkunft aus "sehr guten finanziellen Verhältnissen" eine Differenz von rund 15.000 Euro beim Netto-Jahreseinkommen ausmacht.

Noch beträchtlicher ist die Immobilität in Sachen Bildung, wobei für die Untersuchung eine vierteilige "Bildungsskala" herangezogen wurde. Kategorie 1 bedeutete dabei "maximal Pflichtschulabschluss", 2 den Abschluss einer Lehre, mittleren Schule, Krankenpflegeschule oder einen Meister-/Werkmeisterabschluss, 3 Matura und 4 einen akademischen Abschluss. Der durchschnittliche Bildungsgrad beträgt für Österreich 2,31 - Kinder aus schwierigen ökonomischen Verhältnissen erreichen nur einen Wert von 1,94, Kinder mit sehr gutem ökonomischen Background weisen einen Wert von 2,74 auf.

Bildungsmobilität bei Migranten geringer

"Besonders stark ausgeprägt ist die Persistenz von Bildung und ökonomischer Situation bei Personen mit Migrationshintergrund", heißt es in der Studie. Zentral dafür seien die geringen Aufstiegsmöglichkeiten von Migranten in Bezug auf das Bildungsniveau. So kommen beispielsweise 48 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund aus einem Elternhaus mit maximal Pflichtschulabschluss, während dies für "Einheimische" nur für 33 Prozent zutrifft.

Darüber hinaus weisen die Befragten aus den niedrig gebildeten Elternhaushalten, wenn sie keinen Migrationshintergrund besitzen, nur zu 23 Prozent lediglich einen Pflichtschulabschluss auf, während Personen aus niedrig gebildeten Elternhaushalten mit Migrationshintergrund zu 49 Prozent nur einen Pflichtschulabschluss haben. Dies bedeutet, dass die Bildungsmobilität bei Personen mit Migrationshintergrund wesentlich geringer ist als bei jenen ohne.

Kindergarten wirkt sich positive auf Bildungsniveau aus

Als Rezept für den Aufstieg wird in der Studie der Besuch von vorschulischen Einrichtungen herausgestrichen. So wurde ein positiver Zusammenhang sowohl zwischen Bildungsniveau als auch finanziellem Hintergrund mit dem Besuch etwa eines Kindergartens oder einer ähnlichen Einrichtung festgestellt. So besuchen nur ein Drittel der Kinder von Eltern mit höchstens Pflichtschulabschluss eine vorschulische Einrichtung, während diese Rate bei Kindern von Eltern mit akademischem Abschluss bei 84 Prozent liegt. Außerdem schaffen es ehemalige Kindergartenkinder überdurchschnittlich häufig in eine AHS und weisen signifikant höhere Bildungs- und Einkommensniveaus aus. (APA, 7.2.2013)

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