Brustkrebs-Screening-Programm startet im Herbst

    7. Februar 2013, 13:12
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    Erste Einladungen an Frauen zur Mammografie-Untersuchung wahrscheinlich mit Oktober

    Wien - Einen wesentlichen Schritt nach vorn dürfte Österreich in der Krebs-Früherkennung mit Herbst dieses Jahres machen: Dann soll das organisierte Brustkrebs-Screeningprogramm mit Einladungen an die infrage kommenden Frauen starten. "Das Projekt beginnt am 1. April", sagte Gesundheitsminister Alois Stöger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. NÖ-Patientenanwalt Gerald Bachinger bestätigte, dass mit der Versendung der ersten Einladungen im Oktober dieses Jahres zu rechnen sei. Dies sei zumindest "intern" derzeit so vorgesehen.

    Die Etablierung eines geregelten Mammografie-Programms mit Einladung ist von führenden Gynäkologen und Onkologen seit Jahren gefordert worden. Derzeit ist noch das opportunistische System Usus, bei dem Frauen auf Empfehlung eines Arztes darüber entscheiden ob und wann sie sich dieser Untersuchung unterziehen. In Österreich erkranken derzeit pro Jahr rund 4.600 Frauen an Brustkrebs. Es werden jährlich etwa 1.500 Todesopfer registriert. Systematische Früherkennungsprogramme könnten laut wissenschaftlichen Untersuchungen die Sterblichkeit um an die 30 Prozent reduzieren.

    Gute Erfahrungen hat man mit einem solchen Programm beispielsweise in den Niederlanden gemacht. So erklärte Rianne de Gelder vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam beim europäischen Brustkrebskongress im Frühjahr 2012 in Wien: "Eine adjuvante (begleitende, Anm.Red.) medikamentöse Behandlung von Brustkrebspatientinnen senkt die Mortalität um 13,9 Prozent. Wenn Frauen an einem Brustkrebs-Screening-Programm im Alter zwischen 50 und 75 Jahren teilnehmen, sinkt die Sterblichkeit um 15,7 Prozent. (...) Eine einzige zusätzliche 'Screening-Runde' mit 48 Jahren senkt die Mortalität um ein Prozent. Wenn man mit dem Screening schon mit 40 Jahren beginnt, reduziert sich die Mortalität um weitere 5,1 Prozent (zusätzlich zu den minus 15,7 Prozent für ein Screening unter Frauen zwischen 50 und 75 Jahren, Anm.)."

    In Österreich - die Durchführung des Programms wurde am 1. Juli 2011 von der Bundesgesundheitskommission beschlossen - soll das Mammografie-Screening auf folgenden Eckpunkten basieren:

    - Zielgruppe und Untersuchungsintervall - 45 bis 69 Jahre: persönliche Einladung in regelmäßigen Abständen (18 bis 24 Monate), für die Altersgruppen von 40 bis 44 Jahren und ältere Frauen ist die Teilnahme auf freiwilliger Basis möglich.

    - Doppelbefundung durch zwei Radiologen

    - Ultraschalluntersuchung bei Bedarf unmittelbar nach der Mammografie

    - Das Programm ist mit einem aufwendigen Qualitätssicherungsprozess verbunden. Die teilnehmenden Radiologen müssen auf jährlich mindestens 2.000 Untersuchungen kommen.

    - Es wird mit rund 700.000 Untersuchungen pro Jahr gerechnet

    (APA/red, derStandard.at, 7.2.2013)

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