Private Photovoltaikanlagen: "Noch immer eine Portion Idealismus nötig"

19. Februar 2013, 17:00
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Immer mehr Privatpersonen wollen selbst Strom erzeugen. Doch die Nachfrage an Fördermitteln übersteigt deren Angebot

Steigende Energiepreise und ein wachsendes Umweltbewusststein rücken erneuerbare Energieformen immer stärker in den Fokus des gesellschaftlichen Interesses. Auch in Österreich steigt die Zahl der Privatpersonen, die mit einer eigenen Photovoltaikanlage selbst Strom erzeugen und sich damit unabhängig vom öffentlichen Stromnetz machen wollen. Die Förderungen für diese sind in Österreich aber nur schwer durchschaubar.

Unterschiedliche Fördermaßnahmen

Im Moment gibt es eine vom Bund finanzierte Tarif- und Investitionsförderung sowie unterschiedliche Landesförderungen. Bei der Tarifförderung wird für jedes selbst erzeugte und ins Netz eingespeiste Kilowatt eine Einspeisevergütung ausbezahlt. Die Höhe dieses Tarifs wird jedes Jahr von der Ökostromverordnung neu festgesetzt.

Das Angebot der Tarifförderung kann nur für Anlagen in Anspruch genommen werden, die größer als fünf kWp (Kilowatt Peak) sind und deren Fläche 40 Quadratmeter übersteigt. Eine Anlage dieses Umfangs werde laut Hans Kronberger vom Photovoltaik Verband Österreich (PVA) für den Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie benötigt. Daher empfiehlt er Privatpersonen, sich für die Förderung von Kleinanlagen an den Energie- und Klimafonds zu wenden.

Förderung binnen Minuten vergeben

Dieser stellte im Vorjahr 25,5 Millionen Euro für die Förderung für Photovoltaikanlagen für private Haushalte zur Verfügung. Pro kWp wurde ein Betrag von 800 Euro ausgeschüttet. Die Ansuchen für die Förderung  konnte man aber nur zu einem festgesetzten Termin auf der Website www.pv2012.at einbringen. Die Fristen waren dabei nach Bundesländern gestaffelt. Bei der Vergabe der Fördermittel galt das Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Laut Kronberger waren bereits nach wenigen Minuten alle Fördermittel erschöpft.

Weniger Förderung für 2013 erwartet

Trotzdem geht Kronberger davon aus, dass die Förderung im heurigen Jahr geringer ausfallen wird. Das liege vor allem daran, dass Photovoltaikanlagen immer günstiger werden. Im Moment würden sich die Investitionskosten für die Errichtung auf ungefähr 2.000 Euro pro kWp belaufen.

Wie hoch der Förderbetrag im Jahr 2013 tatsächlich sein wird, sei laut Gertrud Schuh vom Klima- und Energiefonds noch nicht festgesetzt. Das Interesse an der Förderung sei aber nach wie vor ungebrochen hoch.

Schwierige Situation bei Zinshäusern

Wer eine Photovoltaikanlage errichten will, für den stellt sich auch die Frage, ab wann sich diese finanziell lohnt. Grob geschätzt geht Kronberger von einer Amortisationsdauer von sieben bis zehn Jahren aus. Das hänge aber davon ab, wie viel Eigenstrom verbraucht wird und zu welcher Tageszeit. Ist die Anlage einmal aufgebaut, ist sie laut Kronberger wartungsfrei und hält 20 bis 25 Jahre - ohne dass Reparaturen notwendig sind.

Schwieriger gestaltet sich die Errichtung einer Photovoltaikanlage bei Zinshäusern, denn dabei braucht es die Zustimmung aller Mieteigentümer. Trotzdem gibt es immer mehr Alternativen wie man auch als Mieter die Solarenergie unterstützen kann. Beispiel dafür sind die Bürgersolarkraftwerke der Wien Energie.

Bürgerbeteiligungs-Projekte

Dabei können Bürger bis zu zehn Photovoltaik-Module kaufen. Diese werden dann von der Wien Energie von den Eigentümern zurückgemietet, wofür Letztere eine jährliche Rendite erhalten.

Die Anteile für die ersten vier Kraftwerke verkaufte die Wien Energie im Vorjahr binnen kürzester Zeit, zwei von ihnen sind bereits in Betrieb. Vor einem weiteren Ausbau werde man aber das Ergebnis der Wiener Volksbefragung abwarten. Bei dieser wird unter anderem die Frage nach zusätzlichen Alternativenergieprojekten mit finanzieller Beteiligung der Bevölkerung nach Vorbild der Bürgersolarkraftwerke gestellt.

Potenzial in Österreich

Für Bernd Vogl, Leiter der Wiener Energieabteilung, gibt es zwar Regionen, die sich von den klimatischen Voraussetzungen besser für Photovoltaik eignen als Österreich, dennoch sei hierzulande noch sehr viel Potenzial vorhanden.

Im Moment wird in Österreich weniger als ein Prozent der Energie durch Solarenergie gewonnen. Vorstellbar wären in Zukunft aber bis zu 20 Prozent, so Vogl. Dafür sei es nun besonders wichtig, vor allem in die Entwicklung von Speichertechnologien zu investieren, um die gewonnene Energie zu unterschiedlichen Zeiten abrufen zu können.

Eine Portion Idealismus

Bis auch diese Technologie ausgereift ist, sei es wirtschaftlicher, alle Kleinanlagen zu fördern, sagt Helmut Kronberger vom Photovoltaik Verband. Denn die Steuerleistungen, die der Staat pro gebauter Anlage einnimmt, seien um einiges höher, als ihn die Förderungen kosten. Kronberger ist aber überzeugt, dass in Österreich noch immer eine Portion Idealismus nötig ist, um selbst eine Photovoltaikanlage zu betreiben. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 19.2.2013)

  • Im Moment wird in Österreich weniger als ein Prozent der Energie durch Solarenergie gewonnen. Nach optimistischen Schätzungen wäre aber das Potenzial von bis zu 20 Prozent vorhanden.
    foto: reuters/mohamad torokman

    Im Moment wird in Österreich weniger als ein Prozent der Energie durch Solarenergie gewonnen. Nach optimistischen Schätzungen wäre aber das Potenzial von bis zu 20 Prozent vorhanden.

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