Haas: "Villacher Fasching" gehört zum Faschingsdienstag dazu

7. Februar 2013, 12:35
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Kommunikationswissenschafter: "Mit Qualitätsanalysen wird man da kaum weiterkommen"

Wien/Villach - In wenigen Tagen haben die Villacher Narren wieder ihren großen Auftritt und dem ORF sind Topquoten jenseits der Ski-WM garantiert. Jahr für Jahr reiht sich das närrische Treiben beim "Villacher Fasching" in die Top-Ten-Sendungen des Jahres ein. Die APA fragte beim Kommunikationswissenschafter Hannes Haas nach, was die nach wie vor ungebrochene Anziehungskraft einer Sendung ausmacht, die von Herrenwitzen, Schwiegermütterzoten und von Semiamateuren vorgetragenen, volkstümlichen Kabaretteinlagen lebt.

"Mit Qualitätsanalysen wird man da kaum weiterkommen", meint Haas. Dass so viele - im Vorjahr waren es 1,39 Millionen bei einem Marktanteil von 45 Prozent - Menschen den "Villacher Fasching" einschalten, sei vielmehr ein seit Jahrzehnten eingeübtes Ritual. Die Karnevalssitzung aus Kärnten gehört zum Faschingsdienstag, wie "Dinner for one" zu Silvester, meint der Kommunikationswissenschafter.

"Verwurzelung in der Volkskultur"

Anders als in den Großstädten, wo der Faschingsmuffel die "lustigsten Tage des Jahres" allenfalls an den vorschriftsmäßig Pappnasen- und Perückentragenden Bäckereiverkäuferinnen ausmacht, werde das Narrentreiben am Land viel stärker zelebriert. "Hier hat der Fasching eine tiefe Verwurzelung in der Volkskultur", die sich dann eben auch im treuen Einschalten der ORF 2-Übertragung manifestiert. Das TV-Event, das nicht zuletzt beim älteren Publikum höchst beliebt ist, sei auch "ein Fest für die Daheimgebliebenen", meint Haas. Bei den jungen Zusehern gibt es hingegen "eine relativ geringe Bekennergemeinschaft".

Stammtisch bekommt Podium zur Primetime

Anziehend ist auch die Narrenfreiheit, die beim "Villacher Fasching" vorexerziert wird. "Da können Geschmacksverletzungen und politische Unkorrektheiten passieren, es gibt deftige Witze und Gender-Übertretungen. In Villach bekommt der Stammtisch ein exklusives Podium zur Primetime", meint Haas.

Nicht zuletzt geht es beim "Villacher Fasching" auch um Sehen und Gesehen werden. Es ist ein gesellschaftliches Ereignis, für das es eine sehr hohe Nachfrage gibt. Prominente und Politiker begeben sich nach Kärnten, um einem breiten Publikum zu zeigen, wie gut sie sich unterhalten können. "Die Selbstdarsteller finden sich hier nicht nur auf der Bühne", meint Haas. (APA, 7.2.2013)

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