"Spielentwickler leiden unter Peter-Pan-Syndrom"

7. Februar 2013, 12:14
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Seit 40 Jahren gibt es die gleichen Spiele, beklagt der "Heavy Rain"-Schöpfer David Cage

Die Videospielindustrie leide unter dem "Peter-Pan-Syndrom", es sei Zeit, "erwachsen" zu werden, kritisierte Quantic-Dream-Gründer David Cage seine Industrie im Rahmen eines Vortrags auf der Entwicklerkonferenz DICE. Die Branche und die Inhalte hätten sich seit 40 Jahren praktisch kaum verändert, moniert der "Heavy Rain"-Schöpfer. Die meistverkauften Games seien heute wie damals Spiele von Nintendo, "Call of Duty" oder "Grand Theft Auto". Wobei er sich damit mehr auf die zugrunde liegenden Genres bezieht, die praktisch gleich geblieben seien. Es gebe Kinderspiele, Gelegenheitsspiele und Gewaltspiele. Vergleicht man "Wolfenstein" von 1992 mit "Call of Duty" von 2012, habe sich vielleicht die Grafik verbessert, so Cage, doch nach wie vor gehe es darum, "Leute zu töten, bevor sie dich töten".   

Zeit für Umbruch

Diese kreative Stagnation ziehe einige Probleme nach sich. Ein großer Teil der Menschen werde von den Inhalten gar nicht angesprochen. Auch deshalb, weil Spiele nach wie vor in Fantasiewelten angesiedelt seien. Welten, die mit der Realität nichts zu tun haben. Für ältere Spieler sei dies ein Problem, weil die Spiele wie gehabt auf ein jüngeres Publikum abzielen, meint Cage. Man denke nur an einige Freunde, seine Eltern oder Großeltern, die absolut kein Interesse an Spielen haben, wenngleich sie gerne über ihre Lieblingsbücher und -Filme sprechen.

Um die Transformation von einem Teenager-Medium zu einem Medium für alle Altersgruppen durchzuführen, hat Cage neun Ratschläge für seine Entwicklerkollegen parat. Dazu gehört die Forderung nach interessanten Geschichten, mit echten Aussagen. Gewalt könne auf Dauer nicht die einzige Ausdrucksform bleiben.

Der Konsument entscheidet

Die Spielindustrie müsse sich vermehrt mit Künstlern aus anderen Bereichen zusammentun. Viele Spielgeschichten würden heute immer noch von Designern oder Entwicklern geschrieben, deren Stärken eigentlich in anderen Bereichen liegen. Hersteller sollen sich wie Filmemacher und Autoren kein Blatt vor den Mund nehmen und auch provokante Themen wie Sexualität verarbeiten.

Von seiner Kritik nicht verschont bleiben auch die Spielkritiker und die Konsumenten. Viele Kritiker würden Inhalte gar nicht ernsthaft hinterfragen und die Konsumenten auf der anderen Seite würden nach wie vor immer die gleichen Franchises stützen und unbekannten, aber vielleicht innovativeren Werken kaum Chancen lassen. 

Wie sich Cage "erwachsene" Spiele vorstellt, zeigte er 2010 mit dem Thriller "Heavy Rain". Für 2013 wurde der Mystery-Thriller "Beyond: Two Souls" angekündigt. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 7.2.2013)

  • "Beyond: Two Souls" soll ein interaktiver Thriller für Erwachsene werden.
    foto: quantic dream

    "Beyond: Two Souls" soll ein interaktiver Thriller für Erwachsene werden.

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