Evernote: Die digitale Kunst, nichts zu vergessen

7. Februar 2013, 10:08
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Elefanten können sich an Vergangenes besser erinnern als der Mensch. Dieser muss sich gewisser Hilfsmittel bedienen

Phil Libin hat keine Gedächtnisprobleme. Er merkt sich mehr als 10.000 Dinge gleichzeitig. Details von der letzten Teambesprechung ebenso wie das, was er zuletzt in seinem Lieblingslokal gespeist hat. Dabei ist der 41-jährige kalifornische Unternehmer keiner jener Gedächtniskünstler, die 1000 Ziffern in 30 Minuten behalten können.

Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Nutzer von 50 auf mehr als 75 Millionen Nutzer zulegen

Libins "Trick": Er verwendet Evernote, einen Onlinenotizdienst, dessen Geschäftsführer er ist. Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Nutzer von 50 auf mehr als 75 Millionen Nutzer zulegen, sagt er im Telefongespräch mit dem STANDARD. Helfen soll dabei eine Business-Version, die seit heute, Donnerstag, auch in Österreich zur Verfügung steht.

Rund 137.000 Personen hierzulande greifen aktuell auf ihr "virtuelles Gedächtnis" zurück, wie sich der Onlinedienst gern sieht. In den digitalen Ganglien speichern sie getippte oder handgeschriebene Notizen, ausgeschnittene Webseiten, Webclips, Fotos, Visitkarten, To-do-Listen und anderes mehr. Bei Bedarf können sie das Material von verschiedenen Endgeräten - PCs, Tablets, Smartphones - abrufen.

2008 ist das hinter dem digitalen Zettelkasten stehende Unternehmen mit Elefantenkopflogo an den Start gegangen. Investoren haben an das Konzept geglaubt und bisher 225 Millionen Dollar in dessen Ausbau gepumpt. Evernote ist in den Kreis der Internetunternehmen aufgestiegen, die mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet werden.

Premium

Der Basisdienst ist kostenlos, allerdings nur bis zu einer monatlichen Uploadgrenze von 60 Megabyte. Wem das nicht reicht, zahlt für einen Premium-Zugang (rund 35 Euro im Jahr), erhält dafür ein GB Speicher, kann in abgelegten PDFs suchen und seine Notizbücher mit anderen teilen. Zwei Millionen Nutzer hätten sich bisher dafür entschieden, sagt der Evernote-Chef. Auch, weil es klare Regeln gebe: "Kein Datamining, wir werten nichts für Werbung aus."

Zwei Drittel der Evernote-Kunden nutzen laut Libin derzeit das virtuelle Notizbuch für Privates und Berufliches. Für Unternehmen soll Evernote Business eine zentrale Wissensdatenbank darstellen, von denen alle Mitarbeiter profitieren könnten. Die Kapazität beträgt zwei GB mal Benutzeranzahl, die auf alle Teilnehmer verteilt werden kann. Die Kosten liegen bei zehn Euro pro Monat und Nutzer. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 07.02. 2013)

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    screenshot: webstandard
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