Einmal Wienerwald ohne Wortklauberei

8. Februar 2013, 17:02
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Über viele unbewaldete Flächen und entlang einer ungewohnt ruhigen Traisen geht's ganzjährig auf die Steinwandleiten

An seinem westlichen Rand wird der Wienerwald dem Namen nicht mehr ganz gerecht, denn auf den zur Traisen abfallenden Hängen überwiegen die freien Flächen. Das hat aber den Vorteil, dass man immer wieder einen schönen Ausblick auf das mittlere Traisental, zur Landeshauptstadt St. Pölten, zum Dunkelsteinerwald und zum bereits jenseits der Donau liegenden Jauerling genießt. Auch die östlichen Voralpen rücken ins Gesichtsfeld.

Das Gebiet wurde schon sehr früh gerodet, um landwirtschaftlich nutzbare Flächen und Raum für die Glasherstellung zu gewinnen. Letztere hat im nahen Münichwald ihre Spuren hinterlassen, die erst im Jahr 1949 entdeckt wurden. An Abwechslung und Ausblicken mangelt es also auf dieser Wanderung nicht.

Ohne Halt in die Hütte

Die Stockerhütte nahe dem höchsten Punkt der Steinwandleiten ist fast aus allen Himmelsrichtungen zu erreichen, die von Göblasbruck und Rotheau ausgehenden Routen werden allerdings nur noch selten begangen, weil die meisten Züge die Haltestellen ohne Stopp passieren. Dann hört man dort nur die etwas kuriose Ansage: "Achtung, Bahnsteig 1, Zug fährt durch"; als ob es auf der eingleisigen Strecke einen zweiten Bahnsteig gäbe.

Das schmucke und tadellos geführte Schutzhaus ist ein idealer Stützpunkt und wird daher zu jeder Jahreszeit aufgesucht. Die Wege sind bestens markiert und beschildert, es spielt also keine Rolle, dass die zwischen Sulzhof und Gugerl etwas veränderte Trassenführung in den Karten noch nicht vermerkt ist. Der steile Abschnitt nach dem Stadlböck weist mitunter Vereisungen auf.

Der Rückweg von der Haltestelle Rotheau-Eschenau zum Ausgangspunkt verläuft ein Stück neben der gebändigten und teilweise in einen Werkskanal abgeleiteten Traisen. Hier versteht man nicht mehr, dass sich der Name des Flusses aus dem illyrischen "tragisama" ableitet, das " schnell fließend" bedeutet. Aus demselben Wortstamm entwickelte sich in Tirol die Trisanna und im Schwarzwald die Dreisam.

Die Route: Von der Haltestelle Göblasbruck der Bahnlinie St. Pölten - Traisen steigt man auf der roten Markierung (teilweise Nummer 655) über freie Flächen zum Sulzhof und weiter - kurz durch Wald - zum Anwesen Am Gugerl auf. Auf dem Güterweg erreicht man das Gehöft Stadlböck und dann auf einem Fahrweg den Gipfel der Steinwandleiten mit der Stockerhütte. Gehzeit 1½ Stunden.

Nun zurück bis knapp vor dem Stadlböck, dann hält man sich scharf links und steigt auf der blau-gelben Markierung - hie und da auch alte rote Zeichen - zur Talsohle ab, die man bei der Haltestelle Rotheau-Eschenau erreicht. Gehzeit eine Stunde. Auf dem rot markierten Radweg geht es zwischen Bahn und Fluss in einer weiteren halben Stunde zurück zum Ausgangspunkt. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 9./10.2.2013)

  • Die Traisen. Ihr Name leitet sich aus dem illyrischen "tragisama" ab, das "schnell fließend" bedeutet.

    Die Traisen. Ihr Name leitet sich aus dem illyrischen "tragisama" ab, das "schnell fließend" bedeutet.

  • Gesamtgehzeit 3 Stunden, Höhendifferenz 400 m. Stockerhütte (im Jänner und Februar Dienstag Ruhetag, sonst "bis zum letzten Gast" geöffnet). ÖK25V Blatt 4329-Ost (Wilhelmsburg), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000.
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3 Stunden, Höhendifferenz 400 m. Stockerhütte (im Jänner und Februar Dienstag Ruhetag, sonst "bis zum letzten Gast" geöffnet). ÖK25V Blatt 4329-Ost (Wilhelmsburg), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000.

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