Moskaus Superjet fehlt Superqualität

7. Februar 2013, 05:30
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Das Image des russischen Superjet 100 erhält eine Delle: Die Fluggesellschaft Aeroflot bemängelt die Unzuverlässigkeit der Maschine

Auf der Luft- und Raumfahrtshow Aero India 2013 demonstriert Russland mit einem Großaufgebot Stärke: neue Kampf- und Transporthubschrauber, Luftabwehrraketen und Jagdflugzeuge von Suchoi. Im militärischen Bereich ist der russische Luftfahrtsektor nach wie vor Spitze, und der asiatische Markt verspricht riesigen Absatz. Auf diesen Markt hofft auch der zivil genutzte Superjet, der in Bangalore am Rande der Militärmaschinerie ebenfalls präsentiert wird. Bisher haben sich die Hoffnungen kaum erfüllt.

Interner Mängelbericht

Umso härter trifft den Superjet nun das Bekanntwerden eines internen Mängelberichts beim größten Kunden Aeroflot: Deren Chefetage ist nämlich alles andere als zufrieden mit dem neuen Prestigeobjekt der zivilen russischen Luftfahrt. 40 Prozent der technischen Störungen bei Aeroflot-Flügen ereigneten sich mit dem Superjet, obwohl diese Maschinen nur acht Prozent des Fuhrparks ausmachen. Insgesamt hat sich die Zahl der Zwischenfälle nach der Inbetriebnahme des Superjets (seit Juli 2011 im Einsatz) bei der Fluggesellschaft deutlich erhöht.

Ausfälle gab es bei der Klimaanlage und dem Steuersystem. Mehrfach versagte zudem das Fahrgestell beim Ein- oder Ausfahren. Der Hersteller, die staatliche Luftfahrtholding OAK, versichert, dass die Mängel inzwischen behoben wurden. Doch gab es heuer bereits weitere Vorfälle bei anderen Fluglinien, auch hier klemmte Berichten zufolge zweimal das Fahrgestell, einmal fiel die Sauerstoffversorgung in der Kabine aus.

Der Absturz bei einem Demoflug im Mai 2012 in Indonesien mit 45 Toten nagt zudem immer noch am Image, obwohl offiziell der Pilot als Schuldiger benannt wurde.

Noch nicht profitabel

Derzeit gibt es rund 180 Bestellungen für den 27 Millionen Euro teuren Flieger. Um profitabel zu sein, müssten noch weitere 100 Aufträge eingehen. Im Herbst hat die russische Regierung daher ein gigantisches Investitionsprogramm abgesegnet, um im Luftfahrtsektor mit Europäern und Amerikanern mitzuhalten. So hofft Russland, seinen Marktanteil bei Zivilflugzeugen weltweit auf 3,2 Prozent zu steigern. Insgesamt investiert der Kreml bis 2025 rund 30 Milliarden Euro an Haushaltsgeldern in die Branche.

Neben Entwicklungskosten werden auch Verkaufsmaßnahmen finanziert. So will Moskau mit 2,5 Milliarden Euro Kredit den Absatz des Superjets ankurbeln. Airlines aus China und Vietnam zeigten leises Interesse. Die Nachricht über Unzuverlässigkeiten des Superjets kommt da reichlich ungelegen. (André Ballin, DER STANDARD, 7.2.2013)

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    Der Superjet 100 gilt als das modernste russische Passagierflugzeug. Die Fluglinie Aeroflot monierte allerdings noch zahlreiche Mängel an dem Regionalflugzeug.

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