Nikkei auf Höchststand seit Lehman-Krise

6. Februar 2013, 19:29
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Der Japanische Leitindex bewegt sich im Plus. Die Gründe: ein neuer Regierungschef, ein enormes Konjunkturpaket, eine rapide Abwertung des Yen

Tokio - An Tokios Börse sind die Bullen los. Seit Jahresbeginn hat der Nikkei zehn Prozent zugelegt. Damit bewegt er sich einer Liga mit dem Dow Jones und dem Schweizer Index und schneidet deutlich besser ab als ATX oder Dax. Am Mittwoch kletterte das Kursbarometer auf 11.463 Punkte - den höchsten Stand seit Ausbruch der Lehman-Krise. Exportwerte wie Autobauer und Elektronikhersteller stehen im Fokus. Denn die jüngste Abschwächung des Yen gegenüber Dollar und Euro beschert den Konzernen zusätzliche Einnahmen. Toyota hob in dieser Woche die Prognose für den operativen Gewinn im aktuellen Geschäftsjahr (31. März) an.

Das Handelsvolumen in Tokio ist zuletzt kräftig gestiegen. Vor allem ausländische Investoren gaben dem Markt Schwung. Erst seit kurzem sind inländische Privatinvestoren mit von der Partie. Nun aber fragen sich viele Marktakteure, wie lange die Rallye noch anhalten kann. Immerhin ist der Nikkei seit Mitte November um fast ein Drittel gestiegen. Grund dafür war eine Abwertung des Yen gegen Euro und Dollar im selben Zeitraum um rund 20 bzw. 15 Prozent. Außerdem bekam Tokios Aktienmarkt Rückenwind von steigenden Notierungen an der Wall Street.

Zweiter Kursanstieg erwartet

"Wir erwarten einen zweiten Kursanstieg zwischen April und Juni", geben sich die Analysten von Bank of America optimistisch. Unterstützung komme zum einen aus den USA, wo die Zahl der Beschäftigten weiter ansteige. Zum anderen werde die nächste Quartalssaison bestätigen, dass der schwache Yen die Gewinne japanischer Unternehmen ankurble.

Auch Robert Feldman hebt den Daumen. Der Chefvolkswirt von Morgan Stanley in Japan hält Nippons Aktien derzeit für attraktiver als Titel in Europa oder den USA. Ursächlich seien dafür unter anderem eine milde Erholung der Weltwirtschaft sowie aggressive Fiskal- und Geldpolitik in Japan.

Tatsächlich hängt die Trendwende an Tokios Aktienmarkt eng mit der Politik der neuen Regierung zusammen. Premierminister Shinzo Abe will durch hohe Staatsausgaben und lockere Geldpolitik die langjährige Deflation und wirtschaftliche Stagnation bekämpfen. Neben einem Konjunkturpaket über 10,3 Billionen Yen (81 Milliarden Euro) und geplanten üppigen Haushaltsausgaben drängt das Kabinett Japans Notenbank zu mehr Staatsanleihekäufen.

Der amtierende Gouverneur der Bank von Japan, Masaaki Shirakawa, hatte am Dienstag seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Er will bereits am 19. März gehen, wenn auch die Amtszeit seiner beiden Vize-Gouverneure endet. An den Märkten löste diese Ankündigung zusätzlichen Optimismus aus. Kritiker allerdings warnen vor einem ungezügelten Anstieg der Staatsverschuldung. Laut dem Internationalen Währungsfonds wird Japans Schuldenberg 2013 auf 245 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. (Birga Teske, DER STANDARD, 7.2.2013)

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