Kredit auf Zuruf Haiders

6. Februar 2013, 19:24
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Hypo-Geld für Pleite-Fluglinie: Exvorstand belastet

Klagenfurt - Im Jahre 2005 hatte Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (damals BZÖ) vollmundig erklärt, das Land Kärnten werde Geld einsetzen und mit über 42 Prozent bei der finanzmaroden Fluglinie Styrian Spirit einsteigen. Mit der HGI-Gruppe um Magna-Chef Siegfried Wolf wolle man einen Syndikatsvertrag abschließen. Magna werde sich mit einer Fabrik in Klagenfurt ansiedeln und Magna-Gründer Frank Stronach Schloss Reifnitz zu einem Manager-Erholungszentrum ausbauen. Diese Hoffnungen Haiders erfüllten sich nicht. Kurze Zeit nach dem Einstieg des Landes Kärnten war die Fluglinie pleite. Schwarze Zahlen schrieb sie nie.

Was blieb ist der Untreue-Prozess in zweiter Auflage gegen die Exvorstände der kreditfinanzierenden Hypo Alpe Adria Bank Wolfgang Kulterer, Gert Xander und Albin Ruhdorfer die auf Zuruf Haiders einen Blanko-Betriebsmittelkredit über zwei Millionen Euro vergeben hatten.

Ruhdorfer belastet

Am Mittwoch wurde Ruhdorfer vom damals zuständigen Kreditsachbearbeiter Peter Hassler schwer belastet. Ruhdorfer habe ihm die Anweisung gegeben, die beiden Kreditanträge von je einer Million Euro in Form von Aktenvermerken zu verfassen. Es sei alles sehr schnell gegangen, Zeit zum Nachfragen habe es nicht gegeben. "Er hat nur gesagt, schreiben Sie das" und sei auch schon wieder weg gewesen, so der Zeuge. Der Kreditakt sei "sehr dürftig" gewesen, er selbst hätte diesen, hätte er die Kompetenz gehabt, "nie bewilligt", sagte Hassler vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Christian Liebhauser-Karl.

Die Kärntner Tourismusholding, die auf Anweisung Haiders die Beteiligung bei der Styrian Spirit eingehen musste, verweigerte eine Garantie für den Hypo-Kredit, ebenso eine Patronatserklärung. Doch dieses Hypo-Darlehen in Form eines Kontokorrentrahmens sei auch ausschlaggebend dafür gewesen, das die Aktionäre der KTH einem Einstieg bei der Styrian Spirit zugestimmt hätten. Das bekräftigte Ex-KTH-Geschäftsführer Reinhard Zechner in der zweiten Auflage des Untreue-Prozesses. Ruhdorfer war auch diesmal nicht anwesend. Wegen gesundheitlicher Probleme sei er nicht prozessfähig, wandte sein Anwalt ein. Richter Liebhauser-Karl schied das Verfahren gegen Ruhdorfer aus um es zu einem späteren Zeitpunkt gesondert aufzunehmen.

Verkauf von Schloss Reifnitz

Ein Fall für die Justiz ist auch der Verkauf des Schlosses Reifnitz durch die Gemeinde Maria Wörth an Stronach im Jahr 2005. Sie will gegen den Bürgermeister von Maria Wörth, FPK-Landtagsabgeordneten Adolf Stark, und andere ermitteln. Am Mittwoch langte ein Stark betreffender Auslieferungsantrag beim Landtagsamt in Klagenfurt ein. Der Nationalrat in Wien soll Martin Strutz (FPK) ausliefern. Es geht um den Vorwurf der Untreue beim Verkauf des Schlosses sowie der Abgeltung des Rückkaufrechts. (stein, DER STANDARD, 7.2.2013)

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