Film und Kunst: Endlose Schleifen

6. Februar 2013, 18:40
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Die Galerie als filmischer Handlungsspielraum: Fiona Liewehr zeigt in der Ausstellung "Cinematic Scope", wie sich der Film in der Kunst (weiter)entfaltet

Wien - Fast scheint es, als hätte sich die bildende Kunst sämtliche ausrangierte Projektoren geschnappt: Schon in der Ausstellung Scene Missing (2008) hat es gerattert, und auch in der derzeit laufenden Folgeausstellung steht ein 16-mm-Projektor auf einem Podest. Da dieses drei Meter hoch ist, steht dieses Mal jedoch nicht die Apparatur selbst im Zentrum, sondern die Bilder, die der rotierende Projektor an die Wand wirft. Björn Kämmerer hat diese Bilder an seine "erweiterte" Apparatur angepasst und einen Radler gefilmt, der auf der Aussichtsplattform eines Leuchtturms endlose Schleifen fährt.

Während Kämmerers "Laufbild"-Experiment auch die Betrachter in Bewegung versetzt, ist die Arbeit lightx von Manuel Knapp eher wie ein Tafelbild konzipiert: Auf glitzernde schwarze Flächen projiziert der Künstler eine computergenerierte Animation aus Flächen und Mustern, die sehr eindrücklich mit der ebenfalls elektronisch erzeugten, "noisigen" Tonspur korrespondieren.

Obwohl das die Wahrnehmung befragende Kapitel der Schau damit im Grunde erledigt ist, macht es einem die Installation von Wolfgang Plöger auch nicht ganz leicht: An der Wand sind drei Projektionen zu sehen, auf denen riesige Buchstaben viel zu schnell durchlaufen. Auf den Filmstreifen, die zwischen Decke und Boden eingespannt sind, kommen die Zeichen dann aber doch zu lesbaren Sätzen zusammen, die der Künstler mit Siebdruck auf Blankfilm gesetzt hat. Etwas weniger stark aufgeladene Aussagen als die letzten Worte von exekutierten US-Häftlingen hätten der durchaus spannenden Installation ihren Reiz nicht genommen - ihr Einsatz wirkt hier doch ziemlich spekulativ.

Mit einem gänzlich unscheinbaren Bild demontiert dagegen Tobias Putrih die filmische Illusion. Während er dafür nur einen Löffel und eine Camera obscura benötigt, wird die Arbeit von Andreas Fogarasi auf drei HD-Flatscreens präsentiert. Zu sehen sind Bilder, die der Künstler in der von Peter Eisenman geplanten spanischen "City of Culture" gefilmt hat: eine verwaiste Baustelle, ein Jahrmarkt und eine aus Blumen geformte "2010", die hier anstelle des an der Finanzkrise gescheiterten Megaprojekts einfach weggewischt wird.

In der die Bandbreite filmischer Ansätze sehr schön vereinenden Schau bringt David Maljkovic auch theatrale Aspekte ins Spiel: Auf der streng bewachten Teststrecke von Peugeot hat er mit Exmitarbeitern eine Inszenierung choreografiert, die an Performances der 1960er-Jahre erinnert und auf sehr atmosphärische Weise um vergangene Utopien, Wünsche und Versprechen kreist. (Christa Benzer, DER STANDARD, 7.2.2013)

Bis 9.3.

Galerie Georg Kargl
Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien
www.georgkargl.com

  • Von der Camera obscura zur HD-Flatscreen-Installation: Arbeiten von Wolfgang Plöger, Andreas Fogarasi und Tobias Putrih. 
    foto: galerie georg kargl fine arts, wien

    Von der Camera obscura zur HD-Flatscreen-Installation: Arbeiten von Wolfgang Plöger, Andreas Fogarasi und Tobias Putrih. 

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