Ein-Kind-Politik in China am Pranger

6. Februar 2013, 18:20
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Beamter wegen toten Babys festgenommen

Chinas lokale Behörden handelten schnell, bevor der Volkszorn um ein totgefahrenes Baby durch Funktionäre der chinesischen Familienplanung im Internet richtig hochkochen konnte. Nur 24 Stunden nachdem der 13 Monate alte Junge an seinen schweren Verletzungen starb, wurden der Fahrer des Unglücksbusses und der verantwortliche KP-Dorfleiter festgenommen, meldet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Kleinkind war Montagmittag während einer Strafaktion der Familienplanungsbehörde gegen seine Eltern vermutlich bei einem tragischen Unfall überrollt worden. Sein Tod löste Entrüstung im Internet aus, die sich zu einem neuen Skandal für Chinas staatliche Ein-Kind-Geburtenplanung auszuweiten drohte.

Demonstranten fordern Aufklärung

Hunderte aufgebrachte Bürger zogen noch am Abend vor die örtliche Bezirksregierung und verlangten Aufklärung, was genau passiert sei. Ein Sprecher des Parteikomitees der übergeordneten Stadt Ruian gab nun Auskunft: Das gestorbene Baby war das dritte Kind des Bauernehepaars Chen Liandi und seiner 39 Jahre alten Frau Li Yuhong gewesen. Zu dem tragischen Unfall kam es, als eine Gruppe von elf Bezirkskontrolleuren für die Geburtenpolitik im Dorf Mayu im ostchinesischen Wenzhou Bußgelder von der Bauernfamilie eintreiben wollten.

Nach Chinas strikt durchgesetzter Ein-Kind-Familienpolitik dürfen Ehepaare in den Städten nur ein Kind bekommen. Auf dem Land sind zwei Kinder erlaubt, wenn das erste Baby ein Mädchen ist. Die Familie hätte mit der ungenehmigten Geburt ihres jüngsten Babys gegen die Familienplanung verstoßen. Blogger fanden in den öffentlichen Gerichtsakten Angaben, dass die Bauernfamilie wegen des dritten Kindes zu einer sogenannten Strafgeld-Sozialabgabe in Höhe von rund 12.000 Euro verurteilt wurde. Die Beamten waren ins Dorf gekommen, um das Geld einzutreiben.

Zwischen den elf Beamten und der Familie sei Streit ausgebrochen. Als die Beamten die Mutter nötigen wollen, mit ihnen zur Bezirksregierung zurückzufahren, habe ihr Mann Chen sie daran zu hindern versucht. Er trug den Jungen auf den Arm. Xinhua berichtet so: "Chen sagte, das Baby sei ihm während des Gerangels auf den Boden gefallen. Plötzlich hätte der Minibus Gas gegeben." (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 7.2.2013)

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