Bis zu zehn Jahre für Kursverschönerung

6. Februar 2013, 19:26
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Nach acht Jahren kommt der Kursanstieg bei der Telekom Austria vor Gericht. Es geht um Untreue und zehn Millionen Euro Schaden

Wien - Als mysteriös galt der Kurssprung bereits am Abend des 26. Februar 2004. Fast genau acht Jahre später kommt der Kurssprung der Telekom-Austria-Aktie zwei Minuten vor Handelsschluss vor Gericht. Denn: Das Überschreiten der entscheidenden Marke von 11,70 Euro bescherte der damals aus Heinz Sundt (Vorstandschef), Rudolf Fischer (Festnetz, Technik) und Stefano Colombo (Finanzen) bestehenden Führungsriege eine Bonifikation von je 392.719,48 Euro (brutto).

Verdacht der Untreue

Das Problem: Der Kurs war nicht (nur) gestiegen, weil die Telekom so gute Zahlen vorgelegt hatte oder Angebot und Nachfrage zufällig passten. Nein, dem Kurs wurde nachgeholfen. Dementsprechend lautet die Anklage, die Staatsanwalt Hannes Wandl am Montag im Landesgericht Wien vortragen wird: Verdacht der Untreue, die TA sei um 10,63 Millionen Euro geschädigt worden. Die ermittelte Schadenssumme besteht aus zwei Komponenten: 8.870.114,73 Euro kostete das Optionsprogramm, von dem insgesamt 95 TA-Führungskräfte profitierten, weitere 1,7 Millionen die von Broker Johann Wanovits organisierten Käufe von TA-Aktien, mit denen dem Kurs auf die Sprünge geholfen wurde.

Für die Angeklagten - neben dem Ex-Vorstandstrio müssen sich Bankier Wanovits und Ex-Vertriebsmann Josef T. verantworten - gilt ausnahmslos die Unschuldsvermutung. Nicht angeklagt, sondern (Kron-)Zeuge ist Ex-TA-Festnetzvorstand Gernot Schieszler. Er werkte 2004 bei Finanzchef Colombo und hat zur Aufklärung der im Zuge des Immofinanz-Skandals aufgeflogenen Causa wohl am meisten beigetragen - und entsprechend Kronzeugenstatus beantragt.

Gegenoffensive

Wanovits ging bereits Anfang Oktober, als die Anklageschrift zugestellt wurde, in die Gegenoffensive: Er erstattete Anzeige wegen Verdachts des Betrugs. Denn er habe damals nur in großem Stil deshalb Telekom-Aktien gekauft, weil der Kurs der TA-Aktie in der für das Optionsprogramm entscheidenden Börsenwoche gezielt unter die relevante Marke von 11,70 Euro gedrückt worden sei.

Wer konnte ein Interesse daran gehabt haben? Die TA hatte sich mit 15,3 Millionen Euro bei Merrill Lynch abgesichert. Wäre der Kurs unter 11,70 Euro geblieben, hätte die Investmentbank die notwendigen Aktien nicht liefern müssen. Auch Deutsche Bank habe in den Schlussauktionen jeweils in großem Stil gehandelt. Daher gehe der Vorwurf, die TA-Führung habe den Banker zwecks Kursmanipulation bestochen, ins Leere.

Ebenfalls Zeuge, nicht Angeklagter: Peter Hochegger, langjähriger PR-Berater der TA-Führung und Lobbyist für so gut wie alles und jedes. Gegen ihn ist im Zusammenhang mit diesen Transaktionen ein Strafverfahren anhängig, wobei ihm noch weitere Malversationen zur Last gelegt werden, weshalb er diesbezüglich zur besseren Darstellbarkeit abgesondert verfolgt wird, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft.

Auf teilweise skurrile Weise ausbezahlt wurde Wanovits' "Risikoprämie": Rund eine halbe Million überreichten Schieszler und Trimmel - Bote war Hochegger - in bar. Weitere 370.000 Euro wurden für Energie-Studien über das Agenturnetzwerk Hochegger/Valora abgerechnet. (ung, DER STANDARD, 7.2.2013)

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