Brüderles Rehabilitierung

6. Februar 2013, 17:40
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Da fahren die Kameras ganz nah an kurzen Röckchen und wippenden Oberteilen von jungen Frauen entlang

Man kommt in den Tagen vor Aschermittwoch ja nicht daran vorbei. Wohin immer einen die TV-Fernbedienung bringt, der deutsche Karneval ist schon da. Am Dienstagabend sendete das ZDF um 20.15 Uhr "Karneval hoch drei", Darbietungen aus Düsseldorf, Köln und Mainz.

Es ist wie zu erwarten auch anno 2013 so schrecklich, dass man hinsehen muss, obwohl man gar nicht will. Und dann merkt man, dass das Schreckliche - falls es überhaupt noch steigerungsfähig ist - in diesem Jahr noch viel schlimmer ist.

Haben sich nicht gerade in Deutschland Zehntausende erhoben, um den alltäglichen Sexismus anzuprangern? Haben da nicht auch die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland berichtet - ganz im Sinne, dass das gut und richtig sei?

Da fahren die Kameras ganz nah an kurzen Röckchen und wippenden Oberteilen von jungen Frauen entlang, da wird in den Dirndlausschnitt gefilmt, als gelte es dort seltene Erden aufzuspüren.

Dazu erklären Männer in Hochwasserhosen Dinge wie diese: "Ich hab meine Frau nur geheiratet, weil es früher noch keine Fertiggerichte gab." Von "Schlampen", die im Flugzeug Cognac servieren sollen, ist auch die Rede. Selbst das Dekolleté von Kanzlerin Angela Merkel muss herhalten, es wird als "die Macht, die aus der Bluse quillt" bezeichnet, "so imposant wie die Kölner Domtürme, nur nicht so spitz".

Einer wird sich über diese Karnevalssitzungen freuen: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, der zu einer Stern-Journalistin sagte, sie könne auch gut ein Dirndl tragen. Diese Zoten rehabilitieren ihn ja geradezu. Das ist allerdings nicht die Aufgabe von öffentlich-rechtlichen Sendern, die eigentlich einen Bildungsauftrag haben. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 7.2.2013)

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