Schuldenberg schreckt Nachbarn ab

6. Februar 2013, 17:35
30 Postings

Die Nachbargemeinden Schladmings sträuben sich gegen die politisch beschlossene Fusion mit der WM-Stadt. Schladmings finanzielle Schräglage lässt Bürger und Bürgermeister aktiv werden

Schladming - Die Ski-WM ist eine heißbegehrte Plattform. Finanzkräftige Sponsoren setzen sich in Szene, eine Biermarke und die Medienpartner-Zeitung verteilen gratis Österreich-Fahnen und Tröten mit ihren Markennamen unter den Fans. Und Unternehmen präsentieren mit viel Pomp ihre Produkte. Es gibt derzeit kaum eine Institution, die während der Ski-Weltmeisterschaft nicht mit Schladming in Verbindung gebracht werden will.

Von der scheinbaren Attraktivität, die der in den nationalen Medien derzeit omnipräsente Ennstaler Ort ausstrahlt, werden die Nachbargemeinden aber nicht geblendet. Am 21. Jänner 2013 hat die Steiermärkische Landesregierung beschlossen, die Gemeinden Rohrmoos-Untertal und Pichl-Preunegg bis 2015 mit der WM-Stadt zu fusionieren. Der Beschluss soll noch im Februar dem Landtag vorgelegt werden. Gegen diese Entscheidung machen aber die Nachbarn mobil.

Im September 2012 ließen die Bürgermeister von Rohrmoos und Pichl-Preunegg ihre Einwohner über eine mögliche Eingliederung in Schladming abstimmen. Das Ergebnis war beeindruckend: In Rohrmoos stimmten 95 Prozent dagegen, in Pichl 98 Prozent - bei einer Wahlbeteiligung von über 80 Prozent. "Wir sind eine kleine Dorfgemeinde", sagt der Pichler Ortschef Johann Spielbichler (ÖVP) dem Standard. "Ich verstehe nicht, warum das Land die Demokratie nicht respektiert."

Einheimische Hoteliers

Die 1000-Einwohner-Gemeinde hat sich entwickelt, zu den 2500 Gästebetten sind in den Jahren vor der WM 1000 weitere dazugekommen. Der Unterschied zu Schladming, das auf eine Kapazität von 4300 Gästebetten kommt: " Unsere Hoteliers sind hauptsächlich Einheimische, viele mit bäuerlichem Hintergrund. Es gibt kaum auswärtige Betriebe", sagt Spielbichler, der Landwirt ist. "In Schladming sind auch ausländische Investoren einflussreich."

Der Ortschef weist auch auf die Finanzen seiner Gemeinde hin. "Pichl steht sehr gut da. Wir haben im Rechnungsabschluss 2012 einen Verschuldungsgrad von nur 1,8 Prozent ausgewiesen", sagt er. Bei einer Fusion könnte Schladming aber auf die Pichler Gemeindekasse zugreifen.

Die massiven Investitionen Schladmings zeigen Auswirkungen auf das Budget der WM-Stadt: Der Verschuldungsgrad ist von 7,85 Prozent (2006) auf 13,83 Prozent geklettert. Die Rücklagen sind laut dem Schladminger Anwalt und Gemeinderat Hans-Moritz Pott (Bürgerliste) fast zur Gänze aufgebraucht. Ein Sechs-Millionen-Euro-Darlehen soll noch das finanziell angeschlagene Land schultern.

Auch die Reiteralm-Bergbahnen im Gemeindegebiet Pichls sehen eine Fusion skeptisch. Eigentümer sind rund 100 Gesellschafter, die fast alle aus Pichl kommen. "Seit der Gründung 1971 wurde kein Geld ausgeschüttet", sagt Betriebsleiter Karl Fischbacher.

Die Mehrheitsanteile des Landes Steiermark wurden 2002 von der Gemeinde Pichl-Preunegg um rund eine Million Euro gekauft. "Wir stehen gesund da, mit Rücklagen", sagt Fischbacher - obwohl 2011 rund 17 Millionen Euro investiert wurden. Die Planai-Bergbahnen, mehrheitlich im Besitz des Landes, haben für die WM 70 Millionen Euro in die Hand genommen. Kein Wunder, dass Schladming auf die Rücklagen in Pichl spitzt.

Die Ski-WM selbst will Pichls Bürgermeister Spielbichler nicht kritisieren. "Darauf sind wir stolz." Pichl profitiert auch davon, die ÖSV-Mannschaft ist im Hotel Pichlmayrgut einquartiert. Und die Reiteralm wird von vielen Nationalteams während der WM und darüber hinaus als Trainingsgebiet genutzt. Die Gemeinde leistete einen Beitrag von 55.454 Euro zum Budget der WM.

Gemeinsam mit Hermann Trinker, dem Bürgermeister von Rohrmoos-Untertal, wurde ein offener Brief an Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und seinen Vize Hermann Schützenhöfer (ÖVP) verfasst. "Der eindeutige Wille der Menschen wird ignoriert", heißt es. Es gebe bereits eine gute Zusammenarbeit, etwa im Abwasser- und Abfallverband. Weitere Einsparungspotenziale seien kaum vorhanden. (David Krutzler, DER STANDARD, 7.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In diesen zwei Wochen ist in und um Schladming ganz klar ersichtlich, wohin die Wege führen. 2015, so will es die Landesregierung, soll Schladming mit Rohrmoos- Untertal und Pichl-Preunegg fusionieren. Aber dagegen wehren sich Schladmings Nachbarn.

Share if you care.