Asiaten fahren auf Markenware ab

6. Februar 2013, 18:47
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Shoppen von Nicht-EU-Bürgern bei Luxusgütern hält den Zoll in Atem. Es steigen auch die Anträge auf Mehrwertsteuerrückvergütung

Wien - Zahlungskräftige Touristen aus China, Russland, dem arabischen Raum und der Schweiz sorgen beim Zoll für Hochkonjunktur. Was sie wollen, ist ein Stempel, der ihnen viel Geld einbringt: Alle Reisenden aus Ländern, die nicht zur EU gehören, können sich die 20-prozentige Mehrwertsteuer erstatten lassen. Roland Karner, Teamleiter beim Zoll am Wiener Flughafen sagte zum Standard, dass allein im Vorjahr die Anträge auf Mehrwertsteuerrückerstattung um 25 Prozent auf 834.000 gestiegen sind.

Barmittelanmeldungen

Dasselbe gilt bei der Ein- und Ausreise, wenn Bares über 10.000 Euro angemeldet werden muss. Die Barmittelanmeldungen stiegen am Wiener Airport auf 66 Millionen Euro, nach 50,7 Millionen im Jahr 2011. Infolge der politischen Krise waren es im Vorjahr die Libyer, die die höchsten Barmittel in Wien anmeldeten. Bei der Ausreise seien es Türken, Thailänder, Ägypter und Chinesen gewesen.

Wer mehr als 10.000 Euro Bargeld bei sich hat und das Geld nicht anmeldet, dem droht ein Finanzstrafverfahren. Laut Karner wurde in 104 Fällen Bargeld nicht angemeldet; in Summe ging es dabei um fünf Millionen Euro.

Bei den angemeldeten Beträgen wird vom Zoll nicht generell untersucht, ob es sich um Schwarzgeld handelt. Die Summen werden in eine Datenbank eingegeben und bei Verdacht wird kontrolliert, wobei der Zoll schon einen Nachweis haben will, von welchem Konto oder Sparbuch das Geld abgehoben wurde.

Drogengeld

Einige Beispiele: Im Vorjahr wurden 500.000 Euro bei einem aus Nigeria stammenden Mann beschlagnahmt. Es bestand der Verdacht, es handle sich um Drogengeld. Ein Anwalt wollte für einen Klienten 50.000 Euro beim Zoll anmelden - allerdings ohne Erfolg, weil sich der Schwarzgeldverdacht als richtig erwies.

Eine exakte Zahl, wie viel Mehrwertsteuer rückerstattet wurde, gibt es nicht. Unternehmen wie Global Blue, die sich auf die Erstattung der Mehrwertsteuer spezialisiert haben, tun sich da leichter. Global Blue kauft den Ausreisenden an Flughäfen die Rechnungen ab, die Zöllner abgestempelt haben. Der Tourist erhält den Großteil der Erstattungssumme, die ihm zusteht, das Unternehmen einen Anteil als Gebühr.

Von Jänner bis September 2012 haben Reisende aus China demnach 62 Mio. Euro in Österreich ausgegeben, das sind um 76 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Spitzenreiter beim Shoppen sind zwar nach wie vor die Russen mit einem Umsatz von 77 Millionen, allerdings liegt die Steigerung lediglich bei 26 Prozent. Ende 2012 dürften die Ausgaben der chinesischen Touristen jene der russischen überflügelt haben.

Luxusprodukte

Gekauft werden hauptsächlich Luxuswaren wie Uhren, Textilien und Schmuck. Eine Uhr um 300.000 bis 400.000 Euro ist keine Seltenheit. Chinesen können wegen der hohen Luxussteuer in ihrer Heimat extrem viel sparen.

Pro Einkauf geben die Thailänder mit 676 Euro am meisten aus, gefolgt von den Chinesen (606 Euro) und Ukrainern (506 Euro).

Vergleichsweise wenig lassen die Schweizer springen (223 Euro), wobei diese eine Sonderstellung einnehmen. "Wir wer-den von Einzelanträgen überschwemmt", sagt Franz Füchsl vom Zollamt Feldkirch. 670.000 gab es 2012. Die meisten kamen von Schweizern, die wegen des hohen Frankenkurses vieles in Vorarlberg kaufen - von Lebensmitteln bis Luxusgütern. Der Mindestbetrag für die Mehrwertsteuererstattung beträgt 75 Euro.

Markenwaren

Dazu kommen Reisende aus Fernost, die aus einem EU-Land kommen und über Vorarlberg zum Flughafen Zürich reisen. Das seien bis zu 100 Anträge pro Reisebus. "Die Asiaten kaufen nur Markenwaren, und die in Millionenhöhe" , berichtet Füchsl.

3300 Bargeldanmeldungen im Wert von sechs Milliarden Euro wurden 2012 in Vorarlberg offiziell angemeldet, wobei ein großer Teil auf Bankkuriere entfällt. Nur 30 schwarze Schafe wurden ausgeforscht, die 640.000 Euro illegal über die Grenze bringen wollten. Füchsl: " Vorarlberg liegt halt direkt vor den Steuerparadiesen Schweiz und Liechtenstein." Wobei: Seit dem Steuerabkommen mit beiden Ländern gebe es wieder den Trend, dass Geld zurückfließt, "weil die Leute Angst haben, später zu hohe Abgaben zahlen zu müssen". Seit Jahresbeginn flossen 418 Millionen Euro aus der Schweiz zurück nach Österreich. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 7.2.2013)

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