Fasching: Mitarbeiter dürfen zu Clowns gemacht werden

7. Februar 2013, 14:01
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Pirat ja, Playboy-Bunny nein: Chefs können per Weisung Kostümierungen verordnen

Fasching ist für viele nicht nur die Zeit, in der sich schlechte Witze und exzessiver Alkoholkonsum am intensivsten paaren, sondern auch jene Zeit im Jahr, in der viele Arbeitsrechtsfragen aufs Tapet kommen. Vor allem dann, wenn sich Faschingsbegeisterte auch am Arbeitsplatz zum Narren machen. Mit manchmal fatalen Konsequenzen, die nicht selten in fristlose Entlassungen münden.

Vor Entgleisungen und Grenzüberschreitungen jeglicher Art warnt daher auch die Arbeiterkammer. "Die Beratungsdienste nach Fasching nehmen zu", sagt Peter Eckel, Arbeitsrechtsexperte der Arbeiterkammer Salzburg, im Gespräch mit derStandard.at. Hauptsächlich dafür verantwortlich sei übermäßiger Alkoholkonsum, in dessen Bodensatz sich Delikte wie Beleidigungen und sexuelle Belästigungen tummeln. Hemmschwellen sinken, nicht ausgetragene Konflikte kommen unter Maskierungen zum Vorschein. Ob verbaler oder nonverbaler Natur, solche Eskalationen können Konsequenzen haben - sie liefern einen Entlassungsgrund.

Alkoholverbot am Arbeitsplatz

Am einfachsten lässt sich das verhindern, indem Unternehmen erst gar nicht mit Ausnahmeregelungen anfangen. Generell herrscht am Arbeitsplatz Alkoholverbot. Zu Fasching wird es oft gelockert. Neben lockeren Zungen, die Dienstnehmern zum Verhängnis werden, sind noch Kleidungsvorschriften Thema zahlreicher Anfragen bei der Arbeiterkammer, berichtet Eckel. Vor allem, wenn Firmen beschließen, sich im Kollektiv die Narrenkappe aufzusetzen. Sprich: die Belegschaft zwangsbeglücken wollen. Im Sinne einer "Corporate Identity".

Rein rechtlich gesehen können Chefs eine Kostümierungspflicht per Weisung verfügen. Die Belegschaft muss verkleidet antanzen, aber: "Es darf für Mitarbeiter nicht lächerlich oder entwürdigend sein", sagt Eckel und gibt ein Beispiel: "Mitarbeiter in Clownkostümen sind in Ordnung. Ein Playboy-Bunny zu verlangen ist es nicht." Das würde die Grenze des Zumutbaren überschreiten. Eine Grenze, die allerdings nicht leicht zu ziehen ist, liegt doch das Schamgefühl des einen meilenweit vom Peinlichkeitsempfinden des anderen entfernt. Sexismen oder auch Rassismen, die zu Fasching oft im Gewand daherkommen, sollten sowieso tabu sein.

Piraten und Daltons gehen

Was geht trotzdem? Legitim wäre es beispielsweise, Mitarbeiter in ein Piratenoutfit zu zwingen oder ihnen einen aus der Riege der Daltons abzuverlangen, meint Eckel. Immer unter der Prämisse, dass die gewünschte Adjustierung von der Firma zur Verfügung gestellt werde, selber zahlen muss den "Spaß" keiner. 

Weisungen Folge leisten

Was passiert, wenn Mitarbeiter Weisungen zu Bekleidungsvorschriften ignorieren und einfach auf den Clown pfeifen? Eckel zum Szenario: "Grundsätzlich ist Weisungen Folge zu leisten." Komme man einer solchen nicht nach, kann der Arbeitgeber beispielsweise eine Verwarnung aussprechen. "Das ist wie ein Minuspunkt." Gesellen sich danach noch ein, zwei weitere dazu, könnte eine fristlose Entlassung gerechtfertigt sein, warnt er.

Wegen so einer Bagatelle gleich eine "Fristlose" auszusprechen, würde wohl vor dem Arbeitsgericht nicht standhalten. Allerdings lässt sich das nicht generalisieren, jeder Fall muss auf individueller Ebene betrachtet werden, so der AK-Experte. Ungehorsam sollte also überlegt werden.

Kostümierung absegnen lassen

Neben den Faschingsmuffeln müssen sich aber auch die Enthusiasten an bestimmten Regeln orientieren. Gegen Kostümierung in Eigenregie spricht grundsätzlich nichts, sagt Eckel, nur gibt es auch hier Ausnahmen. Etwa wenn Arbeitsabläufe gestört werden, eine Uniformpflicht besteht oder es den Sicherheits- und Hygienevorschriften widerspricht. Ein als Zebra verkleideter Mitarbeiter macht keinen schlanken Fuß an einem Ort, an dem sonst Seriosität regiert. Und wo Kundenkontakt existiert. Im Zweifelsfall sollte vorher der Sanktus der Führungskraft eingeholt werden, rät der Arbeitsrechtler.

Keine Feiertage

Wer feiern kann, kann auch arbeiten, bekommt man immer wieder zu hören. "Müssen" wäre in solchen Fällen das bessere Verb, denn weder Faschingsdienstag noch Aschermittwoch sind Feiertage. Unerlaubtes Fernbleiben käme einer Arbeitsverweigerung gleich und kann im schlimmsten Fall zu einer fristlosen Entlassung führen. (Oliver Mark, derStandard.at, 7.2.2013)

  • Von den einen geliebt, von den anderen gehasst: Fasching.
    foto: reuters/fassbender

    Von den einen geliebt, von den anderen gehasst: Fasching.

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