Auftakt mit Kung-Fu und Kettenfauststoß

6. Februar 2013, 17:23
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63. Berlinale mit vielseitigem Wettbewerb, Seidls "Paradies: Hoffnung" inklusive

Wong Kar-wai tüftelt gern bis zur letzten Minute an seinen Filmen. The Grandmaster, sein lange erwartetes Kung-Fu-Epos mit Tony Leung Chiu Wai, ist in China bereits im Jänner mit großem Erfolg gestartet. Zur Eröffnung der 63. Berlinale Donnerstagabend hatte Wong dennoch vor, noch einmal 15 Minuten herauszuschneiden, berichtete The Hollywood Reporter. Vielleicht handelt es sich dabei auch bloß um eine Strategie, westlichen Sehgewohnheiten gerecht zu werden.

Wong reist mit einer weiteren Mission nach Berlin: Der Chinese wird die Jury des Festivals leiten, die bis zum 15. Februar aus 19 Filmen einen Favoriten zu küren hat. Aus Österreich ist Ulrich Seidl mit dem Abschluss seiner Trilogie, Paradies: Hoffnung, im Rennen um den Goldenen Bären. Es geht darin um eine 13-Jährige, die den Sommer im Diätcamp verbringt. Alle drei Filme gemeinsam werden erstmals am 13. Februar in der Akademie der Künste gezeigt.

Auf Seidl wartet gewichtige Konkurrenz: Gus Van Sant steuert das Öko-Drama Promised Land mit Matt Damon bei, Steven Soderbergh den Psychothriller Side Effects, der in die Welt der Pharmaindustrie führt. Sensationellerweise hat auch der mit Arbeitsverbot belegte Iraner Jafar Panahi (Der Kreis) einen neuen Film realisiert: Pardé (Closed Curtain). Gespannt sein darf man überdies auf Thomas Arslans Western Gold (mit Nina Hoss), auf ein weiteres Beziehungsstück des Koreaners Hong Sang-soo (Nobody's Daughter Haewon) und den neuen Film des Kanadiers Denis Côté, dem jetzt schon der Preis für den besten Titel gebührt: Vic+Flo ont vu un ours (Vic+Flo haben einen Bären gesehen). Ein vielseitiges, mit mehr Sorgfalt zusammengestelltes Aufgebot als in vergangenen Jahren.

Im Forum, einer Nebenschiene der Berlinale, laufen mit Anja Salomonowitz' Die 727 Tage ohne Karamo (siehe Interview) und Gustav Deutschs Edward-Hopper-Annäherung Shirley - Visions of Reality noch zwei weitere heimische Filme. Einer der bedeutendsten Vertreter des politischen Dokumentarfilms, der Franzose Claude Lanzmann, wird mit einem Ehrenbären für sein Lebenswerk geehrt. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 7.2.2013)

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