Die Polizei soll mehr unter die Leute

6. Februar 2013, 18:12
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Die Kriminalitätsstatistik weist die Polizei in Vorarlberg als die erfolgreichste aus. Sechs von zehn Delikten - fast doppelt so viele wie in Wien - werden hier aufgeklärt. Warum? "Hohe technische Expertise", sagen die einen, "ländliche Struktur" die anderen

Bregenz/Wien - Die Vorarlberger Polizei ist mächtig stolz auf ihre Erfolgsbilanz. Mit einer Aufklärungsquote von 59 Prozent liegt sie demzufolge auf Platz eins im Österreichvergleich. Durchschnittlich werden in Österreich 42 Prozent der Delikte aufgeklärt, Wien und Niederösterreich liegen mit 41 und 35 Prozent unter dieser Marke. Mit einem "Stadt-Land-Gefälle" begründet Silvia Strasser, Sprecherin des Bundeskriminalamts, die Unterschiede.

Fragt man in Vorarlberg nach dem Grund des Erfolgs, bekommt man innerhalb der Polizei unterschiedliche Antworten. So sieht Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher die Konzentration auf Sachbeweise, sprich die seit Jahren übliche Spurensicherung durch dezentrale Spezialgruppen, als wesentlichen Grund: "Bei uns sind die Bezirkskommanden besser geschult, das gibt es noch nicht in allen Bundesländern." Widerspruch kommt aus dem Bundeskriminalamt - "alle Bezirke haben Gruppen zur Spurensicherung" (Strasser) - und aus dem eigenen Haus: "Wir waren da sicher Vorreiter, aber inzwischen verfügen auch die anderen Bundesländer über Spurensicherungsspezialisten", sagt der Vorarlberger Polizeisprecher Rainer Fitz.

Tausende Komponenten

Für Fitz liegt der Hauptgrund für die hohe Aufklärungsquote im "Engagement jedes einzelnen Beamten" und in der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. "Die Vorarlberger Bevölkerung ist sehr sensibel, sehr aufmerksam." Tausende Komponenten machten den Erfolg aus, sagt Silvia Strasser, "das Anzeigeverhalten der Bevölkerung ist sicher ein wesentlicher Faktor".

In Wien, wo mit mehr als 200.000 angezeigten Fällen die Kriminalität am höchsten und die Aufklärungsquote am niedrigsten ist, freut man sich über kleine Zeichen des Erfolgs. Im Vorjahr sei die Aufklärungsquote um 0,1 Prozentpunkte auf 35,2 Prozent gestiegen, womit man die höchste Quote seit 2000 erreicht habe, teilt die Polizei mit.

Ruhiges Burgenland

Bei der Interpretation der Kriminalstatistik ist durchaus Vorsicht geboten. So sank die Erfolgsrate der Burgenländer Polizisten, sonst immer den Vorarlbergern knapp auf den Fersen, laut Kriminalitätsstatistik von 56,7 auf 50,7 Prozent. Dafür gebe es eine simple Erklärung, sagt Polizeisprecher Helmut Marban: "Die Beschränkung der Statistik auf ein Jahr."

Das Minus erkläre sich durch eine Einbruchsserie in Gartenhäuser im Sommer des Vorjahres. Die Serie mit 84 Delikten habe die Polizei in drei Bezirken beschäftigt. Ende des Jahres wurden die Fälle aufgeklärt, die Akten konnte man aber erst im neuen Jahr schließen. Marban rät: " Kriminalstatistiken sollte man sich über einen längeren Zeitraum hinweg anschauen."

Die Langzeitbetrachtung helfe auch bei der objektiven Beurteilung der Sicherheitslage, sagt Marban. Obwohl man im Burgenland die niedrigste Kriminalitätsrate Österreichs verzeichne, verhalte sich das Sicherheitsgefühl nicht direkt proportional dazu. Marban: "Wir hatten vor zehn Jahren 2000 Delikte mehr als heute, sicherer fühlen sich die Menschen aber nicht."

Die burgenländische Polizei will deshalb den direkten Kontakt mit der Bevölkerung verbessern. "Mehr Fußstreifen" lautet die Strategie. Auf sichtbare Polizeipräsenz setzt man auch im Westen: Auch am Bodensee soll die Polizei künftig wieder mehr unter die Leute gehen. (Jutta Berger, DER STANDARD, 7.2.2013)

  • Ein Grund für die hohe Aufklärungsquote Vorarlbergs soll der Kontakt der Beamten zur Bevölkerung sein.
    foto: apa/herbert neubauer

    Ein Grund für die hohe Aufklärungsquote Vorarlbergs soll der Kontakt der Beamten zur Bevölkerung sein.

  • Die Aufklärungsquote im Bundesländervergleich.
    grafik: standard

    Die Aufklärungsquote im Bundesländervergleich.

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