Radio Orange macht mobil

10. August 2003, 17:22
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Medienpolitik der Stadt Wien "inakzeptabel"

"Wien ist eine Stadt, in der Kritik nicht nur nicht erwünscht ist, sondern sogar geahndet wird", ärgert sich Martin Wassermair von Public Netbase. Der Grund für seinen Ärger ist die prekäre finanzielle Lage des freien Radios Orange. Seit im Jahr 2000 die Bundessubventionen für freie Radios gestrichen wurden, ist der Sender abhängig von Geldern der Stadt Wien.

Verhandlungen über eine Basisförderung waren anfangs zwar viel versprechend: Das Geld sowie der politische Wille schienen vorhanden. Im April jedoch wurden die Gespräche laut Radio Orange kommentarlos abgebrochen.

Ein Vorwurf, den Martin Wagner, der Mediensprecher des Büros von Vizebürgermeisterin Grete Laska, zurückweist: Es gebe laufend Gespräche mit Radio Orange, und eine Basisförderung sei auch nicht vom Tisch. Man warte nur auf die Ergebnisse einer Wirtschaftsprüfung, weil Radio Orange nicht alle wirtschaftlichen Basisdaten zur Verfügung gestellt habe.

Bei Radio Orange sieht man das anders. Die Wirtschaftsprüfung sei reine Schikane. Martin Wassermair verweist im STANDARD-Gespräch auf seine Erfahrung mit dem "Instrument der Wirtschaftsprüfung": Im Jahre 2000 musste sich nämlich Public Netbase einer solchen Überprüfung unterziehen. Unstimmigkeiten wurden keine entdeckt, wodurch die Wirtschaftsprüfung nur eine Verschleppung von Fördergeldern verursacht habe.

Bei Radio Orange wollte man sich die Politik der Stadt Wien nun nicht mehr gefallen lassen. Zusammen mit Public Netbase, der IG Kultur Wien, Public Voice Lab und Malmoe wurde deshalb eine "kultur-und medienpolitische Grünlandbesiedlung im Herzen Wiens" durchgeführt. Ergebnis dieser Landnahme ist das Mediencamp, das auf einem Stück Rasen hinter der Kunsthalle am Karlsplatz errichtet wurde. Die bisherigen Versuche, eine Diskussion mit der Politik in Gang zu bringen, waren jedoch wenig erfolgreich: Ein an den Bürgermeister geschicktes "Bekennervideo" blieb bisher unbeantwortet, und ein Gespräch mit Grete Laska brachte laut Wassermair keine konkreten Fortschritte, abgesehen von einem vagen Bekenntnis der Vizebürgermeisterin für freie Medien.


Farbe bekennen

Eine eigenartige Reaktion betraf einen Hinweis auf das Mediencamp unter www.netbridge.at, einer Homepage der Stadt. Dieser sei auf Anordnung "von oben" sehr schnell entfernt worden, wie Wassermair säuerlich erklärt. "Die SPÖ hat endlich Farbe zu bekennen", fordert Wassermair, Lippenbekenntnissen für die Freien müssten Taten folgen. Sonst könnte Radio Orange das gleiche Schicksal ereilen wie den Kärntner Volksgruppensender Radio dva: Dieser musste am Freitag wegen mangelnder Geldmittel seinen Betrieb einstellen. (Martin Amor/DER STANDARD, Printausgabe vom 14.7.2003)


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