Monsterfrauen

15. Juli 2004, 14:36
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In ihrem Buch über Weiblichkeit in hollywoodschen Sciencefiction-Filmen und Serien untersucht Alexandra Rainer die ideologischen Mechanismen hinter den Frauen-Darstellungen

Ideologie beeinflusst die Erzählung, konstatiert Alexandra Rainer am Beginn ihres Buches "Monsterfrauen". Im Genre des Sciencefictionfilmes bzw. der SF-Serien wie der "Star Trek-Reihe" beschreibt sie, wie die größte westliche Filmindustrie als Reaktion auf (gesellschafts-)politische Ereignisse und Prozesse ihre Entwürfe von Weiblichkeit verändert.

Re-Aktionen

Frauen in populären Hollywood-Narrationen des SF-Genres waren noch in den 60ern marginalisiert. Die breite feministische Bewegung in den 70ern konnte das männerdominierte Hollywood nicht negieren; ihre Angst bzw. Ablehnung der sich abzeichnenden Veränderungen flossen jedoch in die populäre kulturelle Produktion ein. So finden sich in Filmen ab den 70er Jahren aktive Frauencharaktere in Machtpositionen, mit Entscheidungsgewalt, die aber wenigstens mit Machtverlust, wenn nicht dem Tod bestraft werden für ihren Unwillen, sich für die Rolle als Mutter und Hausfrau zu entscheiden. Haben die Frauen, wie Ripley, die "Alien"-Quadrologie-Heroine, diese Wahl zum "Frausein" a priori nicht, so "hat sie eine angemessen unglückliche Figur zu sein", so Rainer; dieser Rolle lässt mann sie nur dann entkommen, wenn sie sich in Teil eins um die Katze Jones und in Teil zwei um ihre quasi Ersatztochter Newt kümmert und deren Überleben sichert, und sich in Teil drei eine Lovestory zwischen ihr und einem Arzt/Gefangenen etabliert.

Frau an der Spitze

In der Hollywood-SF-Serienlandschaft macht Rainer Anfang der 90er eine gute Zeit für starke Frauen aus, die durch den zweiten Golfkrieg schnell wieder zu Ende ging. In Serien wie "Seaquest DSV", "Star Gate", Andromeda", "Space 2063" oder auch "Star Trek" wurde wieder das Soldatentum, das sich innerhalb der patriarchalen Ordnung über den Ausschluss von Frauen in Führungspositionen konstituiert, aufgenommen. Besonders konzentriert hat sich Rainer auf das "Star Trek"-Universum, dem sie frauenfeindliche Wurzeln zuschreibt. In "Voyager" hat zwar Captain Janeway das Kommando über, nur nimmt sie sich weder sexuell attraktiv, energetisch und jung wie Kirk aus, noch überlegen und unnahbar wie Captain Picard oder taktisch brilliant und kämpferisch wie Sisko. "Janeway ist verheiratet, blickt öfters traurig auf das Foto ihres Gatten samt Hund, verkneift sich sexuelle Eskapaden und spielt für ihre Crew die verständnisvolle und liebevolle, nur wenn es wirklich sein muss, auch strenge Mama", beschreibt Rainer. Und: "Eine Frau an der Spitze hat nicht mit Emanzipation zu tun, sondern mit Notwendigkeit".

Bedrohung der Männlichkeit

Neben den tragenden Frauenrollen, die im "Wir"-Begriff verortet werden können, hat die Frau als Repräsentatin der Weiblichkeit und des "anderen" ihre Bestimmung. Die Frau als das Monster, als die Kastrierende, die es zu unterwerfen, assimilieren oder zu vernichten gilt, weil sie die männliche Ordnung bedroht. In der Original-Serie "Star Treck" ist Kirk, der "beste Mann", in beinahe allen der 79 Folgen von immer neuen Sexualobjekten umgeben, die er mit seiner überzeichneten Männlichkeit zu bezwingen hat, streben diese fremden Frauen doch nach Macht. Die Frau taucht als Vampirin in verlockender Gestalt auf; sie wird als Hexe eingeführt, die mit ihrer unerklärlichen mystischen Kraft die Männer verrückt macht; die auf die Reproduktion reduzierte Frau in unterschiedlichen Formen (gasförmig zum Beispiel) nimmt den Männern beim von ihnen nicht aktiv mitgestalteten Akt ihre Kraft - das Leben. Der Körper der Frau wird ob seiner Fähigkeit zu menstruieren und zu gebären "auf die Seite des Naturhaften, Gefürchteten, Verworfenen oder auch Niedrigen gestellt", führt Rainer aus.

Kennenlernen

Neben den genannten Produktionen thematisiert Rainer die Frauenrepräsentationen im Setting der Filme "Starship Troopers", der "Star Wars"-Trilogie, in "Dune", "Independence Day", "The Matrix", "Men in Black", "Species" 1+2, widmet sich den regressiven Tendenzen in "Blade Runner" oder "Enemy Mine", und verschafft der Leserin einen profunden, spannenden Einblick in die Universen, die ob der ausführlichen Beschreibung kennengelernt werden, auch wenn sie zum Teil auch Unbekannte waren. (red)

Alexandra Rainer:
Monsterfrauen
Weiblichkeit im Hollywood-
Sciencefictionfilm

Wien 2003
Verlag Turia + Kant
ISBN 3-85132-346-7
€ 22
  • Artikelbild
    ausschnitt buchcover
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